Hermann Stenner (1891-1914)


Hermann Stenner (1891-1914)


Verkauft

 

 

TITEL  Frau auf Stadtstraße (Verso: Stadtskizze)

TECHNIK  Bleistift / Zeichenpapier

SIGNATUR  -

ENTSTEHUNGSJAHR  1912

GRÖSSE  (H x B)  28,5 x 21,5 cm

RAHMEN  Neuer Wechselrahmen aus Holz mit säurefreiem Passepartout

ZUSTAND  Guter Zustand. Nicht ausgerahmt

PROVENIENZ  Privatbesitz; Familienbesitz; Künstlernachlass

 

KUNSTWERK

Zeichnung "Frau auf Stadtstraße", Wvz: Hülsewig-Johnen/Peterlein Nr. 1138, Abb. S. 289 (Gmelin Z 1119). Zeichnung "Stadtskizze", Wvz: Hülsewig-Johnen/Peterlein Nr. 1139, Abb. S. 289 (Gmelin Z 1120). Rarität. Vom Vorbesitzer direkt von der Familie des Künstlers erworben.

Das städtische Leben und die Hektik der Großstadt, wie wir es von den "Brücke"-Malern kennen, hat Hermann Stenner in seinen Gemälden weniger thematisiert. Jedoch gibt es einige Skizzen und Entwürfe, in denen Stenner das Treiben der Großstadt festgehalten hat. So schreibt er in einem Brief vom 9.9.1912 an seine Eltern aus Paris: "Auf der Straße dieser Riesenverkehr, ein immer fortdauerndes Gewoge von Fahrzeugen aller Art. Und auf den Boulevards, das sind die Hauptstrassen, wo die grossen Warenhäuser stehen, eine Menschenmenge, wie ihr sie nur auf der Kirmes kennt." 

Diese Art des "fortdauernden Wogens" in der Stadt stellt Stenner in der vorliegenden Zeichnung durch flüchtige Passanten, einer um die Kurve kommenden Straßenbahn, einem ankommenden Auto, einer Frau mit Hut und durch die fast "wogenden" Häuser gekonnt dar.

 

KÜNSTLER

Hermann Stenner (* 12. März 1891 in Bielefeld; † 5. Dezember 1914 an der Ostfront in Iłów (deutsch:Enlau)) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Stenner gehört zu den herausragenden Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts, obwohl ihm durch seinen frühen Tod im Ersten Weltkrieg nur eine kurze Schaffensphase von fünf Jahren vergönnt war. In dieser Zeit schuf der junge Künstler ein umfangreiches Œuvre: Annähernd 280 Gemälde und weit über 1500 Arbeiten auf Papier sind bekannt. Nach impressionistischen Anfängen um 1909 wurde Stenners Malweise ab 1911 zunehmend ausdrucksstärker mit hartem Kontur und kräftigen Farben. Diese Hinwendung zum Expressionismus geschah unter dem Einfluss Kandinskys, ab 1912/13 aber vor allem durch seinen Lehrer Adolf Hölzel.

Schon während seiner Realschulzeit malte der Sohn des Bielefelder Malermeisters Hugo Stenner Kopien alter Gemälde. Danach besuchte er ab 1908 die Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bielefeld. Im April 1909 wurde er zur Aufnahmeprüfung für die Kunstakademie in München zugelassen und trat in die Zeichenklasse von Heinrich Knirr ein. Den Sommer 1909 verbrachte Stenner bei Hans von Hayek an dessen Malschule in Dachau und machte dort ganz erhebliche Fortschritte in seiner Malerei. Von Hayek und Knirr empfahlen ihm daraufhin nicht mehr, wie zuvor, den in München lehrenden Hugo von Habermann als geeigneten Malereiprofessor, sondern den in Stuttgart lehrenden Christian Landenberger.

Ende März 1910 zog Hermann Stenner nach Stuttgart, wo er an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in die Malklasse von Landenberger aufgenommen wurde. Im Oktober 1911 wechselte er in die Komponierklasse von Adolf Hölzel, dessen Vorlesungen völlig abwichen vom Unterricht Landenbergers und von Hayeks. Zunächst folgte Stenner ihnen mit großer Begeisterung, da sie ihm eine neue Welt eröffneten und die Malerei als eine Art Wissenschaft nahebrachten. Später löste er sich von der allzu starken Beeinflussung durch die Vorlesungen und entwickelte seinen eigenen Stil weiter. Schon nach einem Semester bot Hölzel Hermann Stenner an, in eines der begehrten Meisterschülerateliers im Garten des Stuttgarter Schlosses umzuziehen, was dieser im März 1912 auch mit großer Freude tat. Während des Sommersemesters nahm Stenner noch an einer längeren Exkursion nach Monschau (Montjoie) mit Hölzel teil, bei der einige Gemälde mit einem gesteigerten Grad futuristischer Synapsis sowie eine große Zahl an Zeichnungen entstanden.

Im August 1912 verbrachte er mit seinem Freund Hans Hildebrandt, einem Kunsthistoriker, und dessen Frau Lily vier Wochen in Paris.

1913 wurde er zur Ersten deutschen Expressionisten-Ausstellung in Dresden eingeladen. Im selben Jahr gab Adolf Hölzel den Auftrag zur Ausführung der Wandmalereien für die Vorhalle des Hauptgebäudes der Kölner Werkbundausstellung 1914 an Stenner, Oskar Schlemmer und Willi Baumeister. Der Wandfries erregte großes Aufsehen und rief die unterschiedlichsten Reaktionen hervor, von enthusiastischer Begeisterung bis zu kategorischer Ablehnung.

Am 7. August 1914 meldete Stenner sich zusammen mit Oskar Schlemmer als Kriegsfreiwilliger und trat in das Grenadier-Regiment Nr. 119 ein. Nach zwei Monaten an der Westfront wurde er Ende November mit seinem Regiment „Königin Olga“ an die Ostfront verlegt, wo er in den frühen Morgenstunden des 5. Dezembers 1914 in Polen bei einem Angriff auf die Stadt Iłów im heutigen Powiat Sochaczewski in der Woiwodschaft Masowien fiel.

Er schuf in fünf Jahren rund 300 Gemälde und mehr als 1500 Aquarelle und Zeichnungen. 

Willi Baumeister in einem Brief vom 15. Juni 1950: "Stenner war ein frischer, heiterer Mensch und Künstler. Seine Leistungen waren ausgezeichnet ...Ich schätze die Malereien Stenners sehr, wie Oskar Schlemmer auch. Er wäre einer der besten Maler Deutschlands geworden, wenn nicht der sinnlose verbrecherische Krieg seine Opfer geholt hätte."

Im Jahre 2015 wurde bekannt, dass eine Stiftung den Betrieb eines Stenner-Museums in der Bielefelder Villa Weber ermöglichen wird. Das Museum wird unter anderem als Dauerleihgabe die Sammlung des Juristen Hermann-Josef Bunte beherbergen. Das Kunstforum Hermann Stenner wird seine Verortung in den beiden zu erhaltenden und denkmalgeschützten Gebäudeteilen des Ortwin Goldbeck Forum in Bielefeld erhalten. (Quellen: Wikipedia.de, Homepage Freundeskreis Hermann Stenner)

 

MUSEEN UND SAMMLUNGEN

Ahlen, Kunstmuseum
Albstadt, Städtische Galerie Albstadt
Bielefeld, Kunsthalle
Hamm, Städtisches Gustav-Lübcke-Museum
Köln, Kolumba - Kunstmuseum des Erzbistums Köln
Lugano, Museo Cantonale d' Arte Lugano
Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Sindelfingen, Galerie der Stadt Sindelfingen
Stuttgart, Kunstmuseum
Stuttgart, Staatsgalerie
Sammlung Bunte

 

LINKS

Frankfurter Allgemeine Zeitung  (5. Oktober 2005)

Handelsblatt  (12. August 2015)

Tagesschau  (21 März 2014)

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