Wilhelm Morgner (1891-1917)


Wilhelm Morgner (1891-1917)


Preis auf Anfrage

 

 

TITEL  Soldaten beim Kartenspiel

TECHNIK  Tuschfeder / Velin

SIGNATUR  Monogrammiert und datiert unten rechts.

ENTSTEHUNGSJAHR  1914

GRÖSSE  17,5 x 25 cm

RAHMEN  Neuer, schwarz-goldener Rahmen aus Holz mit säurefreiem Passepartout und UV-Schutzglas

ZUSTAND 
Mit feinem Japan hinterlegt. Fachmännisch restauriert aufgrund einer alten Glasbeschädigung, teils noch minimal sichtbar.

PROVENIENZ  Galerie Glöckner, Köln, 2003 dort vom Vorbesitzer erworben; Privatsammlung, Norddeutschland, im Erbgang an den letzten Besitzer.

PRÄSENTATION  Das Bild kann in der Galerie in Bad Iburg besichtigt werden.

  

KUNSTWERK

"Soldaten beim Kartenspiel", Tuschfeder / Velin, 1914, monogrammiert und datiert, 17,5 x 25 cm.

1913 wurde Wilhelm Morgner zum Militär eingezogen. Er konnte während der Militärzeit keine Gemälde mehr malen. Sein Werk beschränkte sich daher auf Zeichnungen und Aquarelle. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges nahm er an der Westfront an mehreren Schlachten teil. Noch 1914 wurde er wegen einer Fußverletzung in ein Lazarett in Berlin eingeliefert. Vermutlich stammt die Zeichnung "Tischgesellschaft" aus dieser Zeit im Lazarett. Es stellt wahrscheinlich eine Runde Karten spielender Männer dar. Im Schein der in der Mitte hängenden Leuchte sitzen acht Männer um einen Tisch. Die Personen vorne rechts uns links halten Karten in ihren Händen. Die Person in der Mitte nimmt gerade Karten auf. Es herrscht eine ruhige, konzentrierte Stimmung in den Raum, die die Männer die Welt draussen für kurze Zeit vergessen lässt.

   

KÜNSTLER

Wilhelm Morgner (* 27. Januar 1891 in Soest; † 16. August 1917 bei Langemark in Westflandern) war einer der bedeutenden westfälischen Maler und Grafiker des Expressionismus.

Wilhelm Morgner wurde als Sohn eines nach Soest zugewanderten früheren Militärmusikers geboren, der später als Schaffner bei der Eisenbahn arbeitete. Die Mutter stammte aus Soest. Sie war künstlerisch interessiert und hat 1920 einen Gedichtband veröffentlicht. Der Vater starb am 27. November 1892, und die Erziehung von Wilhelm und seiner Schwester lag ganz in den Händen der Mutter. Schon aus seiner frühen Kindheit sind künstlerische Neigungen bekannt.

Er besuchte nach der Volksschule in seiner Heimatstadt das Archigymnasium, weil seine Mutter es gerne gesehen hätte, dass er evangelischer Pfarrer würde. Neben seiner wachsenden Begeisterung für das Malen spielte für Morgner – als Schüler Außenseiter und Rebell - die Schule nur eine Nebenrolle, und er erkundigte sich nach Ausbildungsmöglichkeiten als Maler. Er verließ das Gymnasium als Einjähriger (ein Wehrpflichtiger mit höherem Schulabschluss) und übersiedelte 1908 auf Anraten von Otto Modersohn, gebürtiger Soester und Mitbegründer der Malerkolonie in Worpswede, dorthin, wo er die private Kunstschule von Georg Tappert besuchte. Dort erlernte er eine handwerkliche Grundausbildung als Maler. Tappert veranlasste Morgner aber auch zu intensiven Naturstudien und machte ihn mit der modernen Kunst bekannt. Dort entstanden erste künstlerische Arbeiten. Seine Themen suchte er zunächst im Alltag der Bauern, Holzfäller oder Steinbrucharbeiter. Mit Tappert pflegte er bis zu seinem Tod einen intensiven Kontakt. Es ist ein ausführlicher kunsttheoretischer Briefwechsel der beiden erhalten.

Morgner kehrte 1909 nach Soest zurück, wo er sich in der Stadt und der Umgebung Ateliers einrichtete. Im selben Jahr konnte er in Soest seine Bilder erstmals ausstellen. Im Jahr 1910 besuchte er für kurze Zeit erneut die Malschule von Tappert, die sich inzwischen in Berlin befand. Tappert, der neben dem Präsidenten Max Pechstein der 1. Vorsitzende der „Neuen Sezession“ in Berlin war, ermöglichte Morgner den Zugang zur modernen Kunstszene in Berlin. Mit den Künstlern Arnold Topp, Wilhelm Wulff und Eberhard Viegener war Morgner freundschaftlich verbunden. In Berlin kam er 1911 mit Franz Marc zusammen, der von einigen Arbeiten Morgners beeindruckt war. Dieser leitete einige Arbeiten an Kandinsky nach München weiter, der ebenfalls von den Werken angetan war. In Berlin wurde Herwarth Walden, der Herausgeber der Zeitschrift Der Sturm, auf Morgner aufmerksam. Dort wurden auch einige seiner Arbeiten veröffentlicht.

Infolge seines wachsenden Renommees konnte Morgner seine Arbeiten in wichtigen Ausstellungen zeigen. Von 1911 bis 1913 nahm er an Ausstellungen der Neuen Secession in Berlin, des Blauen Reiters in München und des Sonderbundes in Köln teil. Durch Walden vermittelt konnte Morgner 1913 auch an einer Ausstellung in Budapest teilnehmen. Ebenso war er an der 4. Ausstellung der Juryfreien in Berlin und in der Ausstellung „Deutsche Graphik“ in Tokio vertreten. Er veröffentlichte seit 1913 auch in der Kunstzeitschrift Die Aktion.

1913 erfolgte die Einziehung zum Militär. In dieser Zeit konnte er den Kontakt zu Tappert weiter aufrechterhalten und einige Werke ausstellen. Allerdings konnte er während der Militärzeit keine Gemälde mehr malen. Sein Werk beschränkte sich auf Zeichnungen und Aquarelle.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges nahm er an der Westfront an mehreren Schlachten teil. Noch 1914 wurde er wegen einer Fußverletzung in ein Lazarett in Berlin eingeliefert. Auf Heimaturlaub in Soest lernte er den Maler Eberhard Viegener kennen. Nach seiner Genesung diente er 1915 an der Ostfront und wurde zum Unteroffizier befördert. Er erhielt auch das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Wegen einer Erkrankung folgte ein weiterer Lazarettaufenthalt. Er diente 1916 als Zeichner in Bulgarien und Serbien. Weihnachten 1916 konnte er in Soest verbringen. Im Jahr 1917 tat er zunächst wieder Dienst in Serbien. Mitte Mai wurde er nach Flandern versetzt. Er starb bei Kampfhandlungen bei Langemarck, als er sich der Gefangennahme durch britische Soldaten widersetzte.

Georg Tappert hat 1920 einen handschriftlichen Katalog über Morgners Werke angelegt, in dem 235 Gemälde, 1.920 Zeichnungen und Aquarelle, 67 Druckgrafiken und 2 Holzreliefe erfasst wurden. Dieser Katalog bildet noch immer eine Grundlage zum Werk des Künstlers. Zeitweise hatte Tappert auch die Rechte an Morgners Werk, ehe der Mutter Unregelmäßigkeiten auffielen und sie die Rechte zurückforderte. Ein Teil seiner Werke wurde 1937 als „entartet“ verfemt und 94 Werke wurden aus den Museen in Berlin, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Erfurt, Essen, Hamburg, Hamm, Köln, Mönchengladbach, Mülheim an der Ruhr, Münster, Recklinghausen, Soest und Barmen beschlagnahmt. 1938 wurden acht Bilder auf der Berliner Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt.

Werke von Wilhelm Morgner sind in zahlreichen Sammlungen von Museen im In- und Ausland vertreten. Die Stadt Soest verfügt mit 60 Gemälden und über 300 Aquarellen, Zeichnungen und Druckgrafiken über die größte Sammlung an Arbeiten Wilhelm Morgners. Eine weitere große Sammlung an Arbeiten befindet sich im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster. In seiner Heimatstadt Soest wurde 1962 das Kunstmuseum Wilhelm-Morgner-Haus eröffnet, in dem neben Wechselausstellungen ständig eine Auswahl der Gemälde und graphischen Arbeiten von Wilhelm Morgner gezeigt wird.

Obwohl die Schaffenszeit von Morgner nur kurz war, sind 200 teilweise großformatige Gemälde und 2000 Zeichnungen von ihm bekannt. In seinem Werk werden Einflüsse der französischen Fauves und der deutschen Expressionisten deutlich. Die anfangs betont naturalistische Malweise lässt er hinter sich. Schon in seinem Frühwerk ist die Tendenz zu einer immer abstrakter werdenden Bildsprache erkennbar. Diese wird durch die Bekanntschaft mit der Kunst von Robert Delaunay, Alexej von Jawlensky und vor allem Wassily Kandinsky noch gefördert.

(Quelle: Wikipedia.de)

 

WERKE IN ÖFFENTLICHEN SAMMLUNGEN

1910 Selbstbildnis IV (Gehrock), 1910, Öl auf Leinwand, 98 × 127 cm, Museum Wilhelm Morgner, Soest
1910 Fabriken, Öl auf Pappe, 84 × 68 cm, Museum of fine Arts, St. Petersburg, Florida, USA
1911 Der Holzarbeiter, 1911, Öl auf Leinwand, 197,5 × 143 cm, Museum Wilhelm Morgner, Soest
1911 Lehmarbeiter, Öl auf Pappe, 124 × 87 cm, Museum Kunstpalast, Düsseldorf
1911 Mutter und Kind auf grünem Grund, Öl auf Leinwand, 140 × 118 cm, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
1911 Der Mann auf dem Hügel, Öl auf Pappe, 124 × 87 cm, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm
1911 Kreuzabnahme mit 2 schwarzgekleideten Männern, Öl auf Leinwand, 103 × 119 cm, Kunsthalle Recklinghausen
1912 Astrale Komposition XIX, Öl auf Pappe, 100 × 75 cm, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen am Rhein
1912 Phantasie, Tuschezeichnung, 39,6 × 59,9 cm, Stadtmuseum Güstrow
1912 Liebespaar, Kohlezeichnung, 48 × 62 cm, Kunstmuseum Albstadt
1912 Mutter und Kind, Holzschnitt, 58 × 40 cm, Kulturhistorisches Museum, Rostock
1912 Acker mit Weib, Holzschnitt, 37,7 × 58 cm, Märkisches Museum (Witten)
1912 Selbstbildnis, Tuschezeichnung, 48,3 × 60,5 cm, Los Angeles County Museum of Art, USA
1912 Landschaft, Tuschezeichnung, 69,8 × 50,6 cm, British Museum, London
1912 Selbstbildnis X, Öl und Tempera auf Pappe, 75 × 100 cm, Staatsgalerie Stuttgart
1912 Selbstbildnis XI, Öl auf Pappe, 75 × 100 cm, Museum der Phantasie, Bernried
1912 Komposition Tempera X, Leimfarbe auf Pappe, 87 × 123 cm, Von-der-Heydt-Museum, Wuppertal
1912 Selbstbildnis XVI, Öl auf Pappe, 60 × 60 cm, Osthaus Museum Hagen
1912 Astrale Komposition II, Öl auf Pappe, 100 × 75 cm, Kunstmuseum Bochum
1912 Astrale Komposition XI, Öl auf Pappe, 100 × 72 cm, Clemens-Sels Museum, Neuss
1912 Astrale Komposition, Öl auf Pappe, 100 × 75 cm, Nationalgalerie (Berlin)
1912 Einzug in Jerusalem, Öl auf Leinwand, 177 × 123 cm, Museum Ostwall, Dortmund
1913 Kreuzaufrichtung, Öl auf Pappe, 77 × 102 cm, Sprengel Museum, Hannover
1913 Zwei Gekreuzigte und Reiter, Aquarell, 26,4 × 20,2 cm, Lehmbruck-Museum, Duisburg
1913 Männer vor dem Gekreuzigtem, Öl auf Pappe, 85 × 123 cm, Kunsthalle Bielefeld
1913 Holzfäller, Aquarell, 27,9 × 22,9 cm, National Gallery of Art, Washington D.C., USA
1914 Der verlorene Sohn, Aquarell, 25,5 × 22 cm, Museum Ludwig, Köln
1915 Vor der Kirche, Tuschezeichnung, 18 × 24 cm, Kunstmuseum Bern
1916 Volksszene, Tuschezeichnung, 21,5 × 26 cm, Leopold-Hoesch-Museum, Düren
1916 Sitzende Frau mit 2 Kindern, Tuschezeichnung, 21,5 × 26,8 cm, Kunstsammlung der Universität Göttingen
1917 Große Kreuzigung, Kaltnadelradierung, 24,4 × 18,5 cm, Albertina (Wien)

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