Else Lohmann (1897-1984)


Else Lohmann (1897-1984)


Verkauft

 


TITEL  Strand von Bogliasco

TECHNIK  Gouache / Papier

SIGNATUR  Signiert und datiert unten rechts "E.vd Feer Ladèr 57"

ENTSTEHUNGSJAHR  1957

GRÖSSE (H x B)  21,4 x 29 cm

RAHMEN  Neuer Wechselrahmen aus Holz mit säurefreiem Passepartout

ZUSTAND  Gut erhalten

PROVENIENZ  Privatbesitz Utrecht (NL), Privatbesitz Baarn (NL)

LITERATUR  
Nicole Seidensticker-Delius: Else Lohmann. Farbbekenntnisse. Das malerische Werk der Bielefelder Künstlerin
Jutta Hülsewig-Johnen/Thomas Kellein: Der Westfälische Expressionismus. Seite 78ff

 

KUNSTWERK  

"Strand von Bogliasco", 1957, Gouache / Papier, 21,4 x 29 cm, signiert und datiert "E.vd Feer Lader 57", verso handschriftlich "Bogliasco 5 V 57" und Teile eines alten Zollstempels. Das Bild wird in das geplante Werkverzeichnis aufgenommen.

Nachdem ihr Ehemann 1951 verstorben war, reiste die Künstlerin in den folgenden Jahren vor allem nach Südeuropa. Besonders die italienische Küste gehörte zu ihren bevorzugten Zielen. Zahlreiche Aquarelle und Gouachen entstanden in dieser Zeit. 

Der dargestellte Ort, Bogliasco, ist die erste Gemeinde, auf die man trifft, wenn man von der ligurischen Hauptstadt Genua in östliche Richtung die Riviera di Levante durchquert. Zusammen mit den Gemeinden Camogli, Recco, Pieve Ligure und Sori bildet Bogliasco den Küstenstreifen des Golfo Paradiso. Die Küste im Abschnitt Bogliasco weist einen Wechsel von kleinen Stränden und hohen Klippen auf. 

 

KÜNSTLER

Else Lohmann (* 29. August 1897 in Bielefeld; † 25. Juni 1984 in Baarn, Holland), vollständiger Name: Elisabeth Emilie Lohmann-van der Feer Ladèr, war eine Malerin des Expressiven Realismus.

Elisabeth Emilie Lohmann wurde am 29. August 1897 in Bielefeld geboren. Ihre Eltern waren der Fabrikant und Gründer Carl Lohmann (Lohmann Werke AG, eine Fabrik für Fahrzeuglampen, Fahrradsättel, Hilfsmotoren und Reisekoffer) und seine Ehefrau Fanny geb. Bensen. Else Lohmann wuchs mit vier Geschwistern in einem künstlerisch interessierten liberalen Elternhaus auf und fing schon als Kind an zu zeichnen. Nach dem Schulabschluss am Ceciliengymnasium Bielefeld besuchte sie ein Töchterpensionat in Dresden, wo eine Tante lebte. In Dresden lernte sie die modernen Kunstströmungen kennen und entdeckte in den Museen der Stadt die alten Meister wie Rembrandt, Tizian und Raffael. Für kurze Zeit kehrte Else Lohmann nach Bielefeld zurück und besuchte dort die Staatlich-Städtische Handwerkerschule. Nur wenig später zog sie erneut nach Dresden.

Als Frau war ihr ein reguläres Studium an einer Kunstakademie bis zum Ende des Ersten Weltkriegs verwehrt. Daher blieb ihr nur der Besuch einer privaten Malschule. Wie viele andere spätere Künstlerinnen (Ilse Heller-Lazard, Florence Henri, Thea Hucke, Minna Köhler-Roeber, Karen Schacht) lernte sie ab 1916 bei dem Landschaftsmaler Johann Walter-Kurau (1869–1932) die Ölmalerei und folgte ihm dann bei Kriegsende auch von Dresden nach Berlin. Obwohl der ursprünglich aus Jelgava in Lettland stammende Meister ihre Malweise stark beeinflusst hatte, entwickelte sie von da an einen eigenen, expressiven Stil, der sich eher an Paula Modersohn-Becker oder den Malern der Künstlergruppe Brücke orientierte. Ihre Ausbildungszeit in Dresden war nur von kurzer Dauer, denn Walter-Kurau ging nach Berlin, wohin ihm Else später folgte. Ihr Leben als Malschülerin in Berlin genoss sie: „Es war eine tolle Zeit. Ich habe die schönsten Ausstellungen gesehen, erlebte die bedeutendsten Künstler von damals, sie saßen alle im Berliner Café des Westens.“

Die Konzentration der Malklasse Walter-Kuraus galt der Landschafts- und Porträtmalerei. Viele kleinformatige Arbeiten entstanden unterwegs auf Ausflügen in die Natur, vorwiegend in der näheren Umgebung und in der Fränkischen Schweiz.

1921 unternahm Else Lohmann gemeinsam mit ihrer Mutter eine Reise nach Italien. In Rom lernte sie den holländischen Kunstsammler Cees van der Feer Ladèr kennen, den sie wenig später heiratete. Sie brachte eine erhebliche Mitgift mit in die Ehe, so dass ein repräsentatives Gut in Holland gekauft werden konnte. Ihr Mann Cees hatte wenig Interesse an moderner Malerei, so dass die Erziehung ihrer beiden Kinder und die Führung eines großen Haushalts im Mittelpunkt standen. 

Nachdem ihr Ehemann 1951 verstorben war, erlebte Else Lohmann eine zweite Schaffensphase. Viele ihrer Bilder entstanden auf ihren Reisen in Holland und in den Süden Europas. In den Niederlanden stellte sie in Galerien und Kulturhäusern aus. In ihrer deutschen Heimat entdeckte man sie erst spät. In Bielefeld fand eine Ausstellung ihrer Werke 1980 in der Galerie Jesse statt, zu der sie noch selbst anreiste. 1983 waren Bilder von ihr in einer Gruppenausstellung in der Kunsthalle Bielefeld zu sehen. Ein Jahr später starb Else Lohmann am 25. Juni 1984 in Baarn in den Niederlanden.

In den 1990er Jahren wurden viele Künstlerinnen ihrer Generation wiederentdeckt. Das Verborgene Museum in Berlin widmete ihr 1991 eine Einzelausstellung. Anlässlich der Kunstausstellung zum 140. Geburtstag Johann Walter-Kuraus wurden 2009 neben seinen Arbeiten auch Bilder seiner Malschülerinnen Else Lohmann, Minna Köhler-Roeber, Ilse Heller-Lazard und Eva Langkammer in Jelgava/Lettland und Berlin gezeigt.

Sie hinterlässt ein umfangreiches, nicht katalogisiertes Werk von mehreren Hundert Bildern und Skizzen, die in der ganzen Welt verteilt sind. Aus ihrem Nachlass sind noch einige bedeutende Bilder im Besitz der Familie Lohmann/Heise geblieben.

 

AUSSTELLUNGEN

1977: Malerkreis Baarn, Holland
1981: Galerie Jesse, Bielefeld
1983: Malerei und Graphik 1900–1933, Kunsthalle Bielefeld
1986: Retrospektive Einzelausstellung: Else Lohmann, Museum Waldhof (Bielefeld)
1991: Else Lohmann: Die Berliner Jahre 1917–1921, Frauenforschungs-, -bildungs- und -informationszentrum e.V. (Berlin)
2011: Ich im Aufbruch. 50 Maler des Expressiven Realismus, Städtische galerie ada (Meiningen)
2017: Eine Malerin aus Bielefeld: Else Lohmann (Kunsthalle Bielefeld)

 

LINKS

Ausstellung 2011 "Ich im Aufbruch"

Neue Westfälische 17.11.2016

LWL - Westfälische Geschichte

 

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