Ludwig Godewols (1870-1926)


Ludwig Godewols (1870-1926)


Preis auf Anfrage

 


TITEL  Kapelle auf dem Sennefriedhof

TECHNIK  Tuschezeichnung / Malkarton

SIGNATUR  Unten rechts monogrammiert "L.G"

ENTSTEHUNGSJAHR  um 1913

GRÖSSE (H x B)  26 x 17,2 cm

RAHMEN  Neuer, schwarzer Wechselrahmen aus Holz mit säurefreiem Passepartout

ZUSTAND  Schöner Originalzustand. Mit Atelierspuren und Kleberesten im Rand unter dem Passepartout

PROVENIENZ  Privatbesitz

PRÄSENTATION  Das Bild kann aktuell in der Galerie in Bad Iburg besichtigt werden

 

KUNSTWERK  

"Kapelle auf dem Sennefriedhof", Tuschezeichnung auf festem Papier, 26 x 17,2 cm, monogrammiert. 

Stimmungsvolle und detailreiche Vorzeichnung zu einer Illustration, die unter anderem 1914 verkleinert in einem Bielefeld-Reiseführer veröffentlicht wurde. Ludwig Godewols zeichnete die Friedhofskapelle zur gleichen Zeit, zu der Hermann Stenner, ein früherer Schüler, Entwürfe für das Innere der Kapelle erstellte. Zu dem beeindruckenden Werk "Kreuztragung I" von Hermann Stenner gibt es somit eine thematische Verbindung. Am 16.11.1912 schreibt Stenner in einem Brief an seinen Vater: "Ich würde den Auftrag, betreffs Ausmalung der Kapelle des Sennefriedhofs, natürlich riesig gerne übernehmen." Das Gemälde "Kreuztragung I" ist ein Entwurf zu einem großformatigen, verschollenen Gemälde. Stenner schreibt am 11.4.1913: "Ich habe augenblicklich ein grösseres, religiöses Bild in Arbeit; das möchte ich gern noch dort mit ausstellen, damit die massgeblichen Persönlichkeiten, die den Auftrag für die Ausmalung der Friedhofskapelle zu vergeben haben, erst einmal eine Probe sehen". Allerdings wurde das Projekt nicht realisiert und Hermann Stenner erhielt den Auftrag nicht.

Knapp ein Jahr nach Eröffnung des Sennefriedhofs im Jahr 1912 konnte die von Stadtoberbaurat Friedrich Schultz geplante Alte Kapelle eingeweiht werden. Nach dreijähriger Bauzeit wurde sie am 17. Juni 1913 im Rahmen eines Gottesdienstes der Öffentlichkeit übergeben. Architektonisch zählt die Alte Kapelle zu Bielefelds schönsten Bauwerken. Die Querachse mit dem Kapellenbau, dem Aufbahrungsgebäude und dem Wasserbecken ist noch heute optisch und gestalterisch das Zentrum des Friedhofes. Bewusst als Rundbau mit Säulenvorbau geplant, steht die Kapelle im Kontrast zur umgebenden Landschaft sowie zu den weiteren Gebäuden des Friedhofs. Das Relief über der vorgelagerten Eingangshalle zeigt als allegorische figurale Darstellung „den Tod, die Trauer und die Hoffnung”. Der 16 Meter hohe Innenraum erinnert in seiner Schlichtheit und der kassettierten Kuppel an römische Großbauten. 16, vom Glasmaler Prof. Karl Muggly gestaltete rundherum laufende Fenster tragen das Licht ins Innere. Sie zeigen Motive der vier Evangelisten sowie schwebender Engel. Seit dem Jahr 1986 steht die Alte Kapelle unter Denkmalschutz.

 

KÜNSTLER

Ludwig Godewols (* 1870 in Gnoien; † 1926 Bielefeld) war ein deutscher Maler und Professor in Bielefeld.

Godewols arbeitete nach seiner Lehre als Malergeselle in Bremen und Hannover. Dort studierte er an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule und schloss mit der Lehrbefähigung für das Maler-, Lithographen- und Buchbinderhandwerk ab. 1903 kommt Godewols als Lehrer an die Fachschule der Malerinnung nach Bielefeld. 1907 wechselt er an die neu gegründete Städtische Handwerker- und Kunstgewerbeschule. Godewols, aufgeschlossen für die Moderne, unterrichtet in seiner Malklasse die ambitionierten Kunstgewerbeschüler. Er trägt maßgeblich dazu bei, dass die Bielefelder Schule zu einem Ort des modernen Kunstschaffens wird. So besucht er mit seinen Schülern 1909 das Folkwang-Museum in Hagen und 1912 die Sonderbund-Ausstellung in Köln. Die Leitbilder der Moderne hinterlassen bei seinen Schülern einen tiefen Eindruck. Die berühmtesten seiner Schüler waren P.A. Böckstiegel, Hermann Stenner, Heinz Lewerenz, Hermann Freudenau, Victor Tuxhorn, Else Lohmann, u.v.m. Streng, aber auch fördernd, unterstützte er seine Schüler mitunter auch materiell. 

Anfänglich einer traditionell akademisch geprägten, dunkeltonigen Malweise verpflichtet, findet Godewols zu Beginn der 1920er Jahre in seinen Bildern zu stärkerer Farbigkeit. Seine Aufgeschlossenheit für die Kunst der Moderne findet mit diesen Bildern einen sichtbaren Niederschlag in seinem Schaffen. 1923 wird ihm eine Ausstellung im Städtischen Kunsthaus in Bielefeld gewidmet. 1926 stirbt Godewols mit nur 56 Jahren. Er bleibt vor allem als Lehrer in Erinnerung. 1953 würdigt in das Museum nochmals mit einer Ausstellung gemeinsam mit seinen Schülern. 

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