Carl Grossberg (1894-1940)


Carl Grossberg (1894-1940)


Verkauft

 
 

TITEL  Frau im Strahlenkranz

TECHNIK  Aquarell und Tusche / Karton

SIGNATUR  Unten rechts "C. Grossberg 1921"

ENTSTEHUNGSJAHR  1921

GRÖSSE  (H x B)  49,5 x 40 cm

PROVENIENZ  Privatbesitz NRW

RAHMEN  Neuer Wechselrahmen aus Metall mit säurefreiem Passepartout

ZUSTAND  Sehr gut erhaltenes Blatt. Umlaufend unter dem Passepartout alte Montierungsreste

LITERATUR  

- Sabine Fehlemann (Hrsg.): Carl Grossberg. Retrospektive zum 100. Geburtstag, Katalog zur Ausstellung im Von der Heydt-Museum, Wuppertal, in der Kunsthalle Tübingen, Kunsthalle zu Kiel, im Sinclair-Haus, Bad Homburg 1994/1995, Köln 1994
- Michael Hasenclever (Hrsg.): Carl Grossberg. Bilder von Architektur und Industrie der Zwanziger und Dreissiger Jahre. Ausstellungskatalog, München 2006

 

KUNSTWERK

"Frau im Strahlenkranz", Aquarell und Tusche / Karton, 1921, 49,5 x 40 cm, signiert "C. Grossberg 1921", selten. Verso handschriftlich mit Kugelschreiber: "Aquarell mit neuem Karton, L. 218/I ..., bis 4.5. Größe so lassen"

Carl Grossberg studiert ab 1919 Malerei, zunächst an der Akademie Weimar, ab Mitte 1919 bis 1921 bei Lyonel Feininger am Bauhaus in Dessau, 1921 zieht er nach Würzburg, wo er seine spätere Frau Tilde Schwarz, Geigerin und Lehrerin am Konservatorium in Karlsruhe, kennenlernt und 1923 heiratet. Das Aquarell "Frau im Strahlenkranz" malte Grossberg in dem Jahr, in dem er Tilde kennenlernte. Das Portrait zeigt sein spätere Frau in einem blau-schwarzen Kleid, den Blick leicht zur Seite gesenkt. Lichtstrahlen umgeben ihren Kopf und zeigen, wie beeindruckt Carl Grossberg von ihr gewesen sein muss. Es könnte sich um eine moderne Form der Mariendarstellung handeln.

Die für Carl Grossberg typischen Industriedarstellungen in Aquarell erreichen bei Auktionen bis zu 15.000$. Das Ölgemäde "Ortseingang von Sommerhausen" konnte 2012 für über 123.000$ versteigert werden.

 

KÜNSTLER

Carl Grossberg (* 6. September 1894 in Elberfeld; † 19. Oktober 1940 in Laon; eigentlich Georg Carl Wilhelm Grandmontagne) war ein deutscher Maler. Er gestaltete in statisch-kühlen Ölgemälden und Aquarellen Stadtbilder, Industrie- und Technikdarstellungen. Mit auffallender Hinwendung zur Neuen Sachlichkeit dienten ihm Fabrikhallen und Maschinenportraits als zentrale Werkmotive.

Nach der Volksschule besucht Grossberg das Realgymnasium in Lennep und ab 1909 das Gymnasium in Elberfeld. Ab 1913 studiert er in Aachen Architektur, wechselt aber bereits ein Jahr später nach Darmstadt. Im gleichen Zeitraum lässt sein Vater, zum Bedauern des Sohnes, dessen Namen eindeutschen, aus Grandmontagne wird Grossberg. 1915 wird Grossberg zum Kriegsdienst einberufen, kämpft – nach eigenem Bericht – als Offizier an der Front, wird verwundet und kehrt 1918 in seine Heimat zurück. Anfang 1919 setzt er sein Studium fort; zunächst als Schüler Walther Klemms an der Hochschule für Bildende Künste in Weimar, von Mitte 1919 bis 1921 dann als Schüler Lyonel Feiningers am Bauhaus. Dort beschäftigt er sich u. a. mit Malerei, Dekorationskunst und Raumkunst, bevor er 1921 zu Studienzwecken nach Würzburg zieht. Kurz darauf lernt er Tilde Schwarz kennen, die er 1923 heiratet. Aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor. 1926 hat Grossberg seine erste Einzelausstellung im Kunsthaus Schaller in Stuttgart, die ihn bekannt macht. Eine weitere ist in der Galerie Nierendorf in Berlin zu sehen.

Seit 1927 folgen mehrere Aufenthalte in Köln, Düsseldorf und Berlin. Schließlich nimmt er 1929 an der Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ im Stedelijk Museum in Amsterdam teil, zwei Jahre später erhält er den Rompreis. Ab 1933 arbeitet Grossberg an der Verwirklichung seines „Industrieplans“, einem Bilderzyklus, der einen Querschnitt der wichtigsten Industrien Deutschlands darstellen soll. Das Vorhaben bleibt unrealisiert. Ein Jahr später nimmt Grossberg den Auftrag für ein monumentales Wandgemälde (45 × 12 Meter) für die Ausstellung „Deutsches Volk – Deutsche Arbeit“ an. Im selben Jahr kann eine Grossberg-Ausstellung in der Kestner-Gesellschaft in Hannover realisiert werden, eine Retrospektive im Folkwang-Museum in Essen folgt 1935. Am 25. August 1939 erhält Grossberg den Stellungsbefehl und wird als Besatzungsoffizier in Polen eingesetzt. Während eines Heimaturlaubs kommt er im Wald von Compiègne bei einem Autounfall ums Leben.

Im malerischen Werk Grossbergs überwiegen Anfang der 1920er-Jahre noch Stadtansichten, für deren künstlerischen Ausdruck wohl Lyonel Feininger innervierend gewesen sein dürfte (Häuser, Turm und Gebirge 1919/20, Kleine Häuser 1923). Die bauklotzähnlichen Gebilde sind in bunt-schillernder Farbigkeit dargestellt und zeigen noch wenig Interesse an jenem Präzisions- und Detailreichtum, der für den späteren Grossberg kennzeichnend sein wird. Ab Mitte der 1920er Jahre intensiviert Grossberg die Darstellung technischer Apparaturen, deren gestalterischer Aspekt zunehmend unter eine ingenieurhafte Perspektive gerät. Jetzt entstehen seine sogenannten „Traumbilder“, in denen er geometrisierte Maschinenparks mit surrealistischen Elementen anreichert und zu einem symbolisch überlagerten Kunstraum erweitert (Traumbild Rotor 1927, Dampfkessel mit Fledermaus 1928). Fledermäuse, Affen und Vögel bevölkern Grossbergs puristische Industriebauten und erinnern an eine Re-Kolonialisierung der Moderne durch vor-soziale Lebensformen (Renaissance 1929). Erst zu Beginn der 1930er Jahre lässt Grossberg von seinen „Traumbildern“ ab. Es dominieren technologische Innenräume, die von jedem störenden Beiwerk befreit sind. Überdimensionierte Kessel mit rechtwinklig umlagernden Gerüst- und Rohrsystemen sind nun ebenso bildbestimmende Motive (Der gelbe Kessel 1933; Ölraffinerie 1933), wie Antriebs- oder Schwungradkonstruktionen (Schwungrad mit Triebriemen 1934). Grossbergs architektonisches Ethos begleitet seine Diktion stets und überführt industrielle Funktionsträger in isoliert künstliche Monumente. Entrückt von organisch-menschlicher Verbindlichkeit werden Räume aufgespannt und nach lediglich maschinellen Gesichtspunkten geordnet. Hier entfaltet sich die distanziert unterkühlte Bildersprache, jene zeitlos wirkende Sterilität, die Carl Grossbergs Originalität letztlich verbürgt und seinen Ruhm als Industriemaler und als Künstler der Moderne begründet.

 

AUSSTELLUNGEN

2014: Carl Grossberg, Galleria Milano, Mailand
2012: Grossberg, Galerie Michael Hasenclever, München
2006: Carl Grossberg, Galerie Michael Hasenclever, München
2003: Carl Grossberg, Galerie Michael Hasenclever, München
1999: Carl Grossberg – Maler und Zeichner der neuen Sachlichkeit 1894–1940, Galerie Michael Hasenclever, München
1994 / 1995: Carl Grossberg. Retrospektive zum 100. Geburtstag, Von der Heydt-Museum, Wuppertal, in der Kunsthalle Tübingen, Kunsthalle zu Kiel, im Sinclair-Haus, Bad Homburg

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