Wilhelm Wulff (1891-1980)


Wilhelm Wulff (1891-1980)

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TITEL Selbstbildnis

TECHNIK  Zeichnung / Papier

SIGNATUR  Unten rechts monogrammiert "WW 13"

ENTSTEHUNGSJAHR  1913

GRÖSSE  (H x B)  18,6 × 12,5 cm

RAHMEN  Klassischer Holzrahmen mit säurefreiem Passepartout

ZUSTAND  Sehr gut erhaltenes Blatt 

PRÄSENTATION  Das Bild kann in der Galerie in Bad Iburg besichtigt werden

 

KUNSTWERK

"Selbstbildnis", 1913, Zeichnung, 18,6 x 12,5 cm, monogrammiert "WW 13".

Eine Zeichnung aus einem Skizzenbuch Wulffs aus dem Jahr 1913. Wilhelm Wulff war ein enger Freund von Wilhelm Morgner. Beide begannen vor 1910 ihre künstlerische Karriere gemeinsam. Auf ihren Streifzügen durch Soest und Umgebung zeichneten und malten sie, so dass sich ihre damaligen Arbeiten kaum unterscheiden. 1913 begann Wulff eine Ausbildung an der Holzschnitzschule in Warmbrunn (Schlesien), die durch den Krieg unterbrochen wurde. Aus dieser frühen Zeit stammt dieses Selbstbildnis Wilhelm Wulffs (siehe: Foto Wilhelm Wulff, um 1912).

 

KÜNSTLER

Wilhelm Wulff, eigentlich Wilhelm Buskühl (* 25. April 1891 in Wehringsen bei Soest; † 18. April 1980 in Soest) war ein deutscher Maler und Bildhauer.

Wullf besuchte 1913/1914 die Holzschnitzschule Bad Warmbrunn und 1919 die Fachschule für Holzbildhauer. Von 1914 bis 1918 diente er im Deutschen Heer. Als Jugendfreund von Wilhelm Morgner und Wegbegleiter von Eberhard Viegener gilt Wulff als einer der prägenden Köpfe der westfälischen Kunstszene der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Frühwerk ist durch expressionistische und konstruktivistische Einflüsse gekennzeichnet. Er war mit Johannes Molzahn befreundet, als dieser 1920 bis 1922 in Soest wohnte. Für die modernen Villen Plange (1926), Sternberg (1927) und Jahn (1930) in Soest, die von Bruno Paul entworfen wurden, schuf Wulff jeweils ein Kaminrelief mit einer Stadtansicht von Soest, die heute noch erhalten sind. Nach einem Studienaufenthalt in Paris im Winter 1928/1929 wandte er sich realistischen Darstellungen zu. Ein Schwerpunkt seines Schaffens bilden öffentliche Auftragsarbeiten, wie etwa Bergarbeiter-Denkmäler im Ruhrgebiet.

Wilhelm Wulff war nach dem Ersten Weltkrieg Mitglied des Deutschen Künstlerbundes bis zu dessen Zwangsauflösung 1936 durch die Reichskunstkammer. Er war seit 1933 Mitglied der Reichskammer der Bildenden Künste. In den Jahren 1937, 1943 und 1944 beteiligte er sich mit Arbeiten an den "Großen Deutschen Kunstausstellungen" in München.

Wilhelm Wulffs Tochter Ulrike Probst, die im Juli 2014 starb, stiftete ihr Vermögen der Wilhelm Wulff Stiftung mit dem Stiftungszweck der Förderung von Kunst und Kultur zur Pflege und Würdigung des Werkes von Wilhelm Wulff. Der künstlerische Nachlass von Wilhelm Wulff befindet sich im Museum Wilhelm Morgner in Soest.

Das Frühwerk 
Das Schaffen Wulffs ist durch Wandel und Veränderung geprägt und wird grob in ein Früh- und ein Spätwerk eingeteilt: Nach ersten Zeichenversuchen steht in seinem Frühwerk (1919-1928) ein avantgardistisches Schaffen, u.a. mit Holz, an erster Stelle. "Seine am Stil des Konstruktivismus orientierten abstrakten Skulpturen sind auf geometrische Elemente reduziert. Durch diese Auflösung der eigentlichen Form wird der Blick des Betrachters auf das Material Holz gelenkt, das so konkret wahrnehmbar und erfahrbar wird" (Klaus Kösters in: Wilhelm Wulff (1891-1980), hrsg. v. LWL-Museumsamt für Westfalen, Buschmann Druckerei GmbH und Co. KG, Münster). Wulff geht es hier weniger um eine inhaltliche Aussage, formale Aspekte stehen im Vordergrund. Als ein Beispiel ist die Kniende Figur von 1922 genannt, bei der das Holz mit seinem spezifischen Muster klar hervortritt.

Zwischen 1924 und 26 widmete sich Wulff zudem der Arbeit an konstruktivistischen Reliefs und rückte in der Folge in die Nähe von Oskar Schlemmer und dem Weimarer Bauhaus. "Das bemerkenswerte an diesem Soester Künstler ist, dass er mit seinen frühen Werken als einziger Bildhauer Westfalens die Kunst der Abstraktion und der expressionistischen Darstellung in der Bildhauerei vorantrieb. Umso tragischer ist es, dass seine Werke nur schwer verkäuflich waren. Infolgedessen steht sein Spätwerk (1928/30-1980) eher im Zeichen des Traditionalismus und der naturalistischen Porträtkunst" (Klaus Kösters).

Das Spätwerk
Nach seinem Studium im Winter 1928/29 in Paris wandelte sich die künstlerische Arbeit Wulffs: Neben der Verwendung neuer Materialen (Gips, Terrakotta, Bronze) stand nun das Modellieren anstelle der Bildhauerei im Vordergrund. Damit einher ging eine Hinwendung zu realistischen Darstellungen, beispielsweise bei Bildnisbüsten und Bergbaudenkmälern. Besonders hervorzuheben ist hier seine Leistung als Porträtist. Arbeiten wie die Maske seines Sohnes Thomas Wulff oder von Stella Steyn stellen einzelne individuelle Gesichtspunkte heraus, wie z.B. den Mund, und sind ansonsten abstrakter gehalten, sodass die Abbildung idealisiert erscheint. Kösters: "Hier ist die besondere Leistung Wulffs hervorzuheben, dass es ihm möglich war, individuelle Wesenszüge herauszuarbeiten und anhand der Abstraktion gleichzeitig eine idealisierende Komponente zu integrieren." Wulff wurde ein angesehener Porträtist von Industriellenfamilien und Politikern. Zu seiner bedeutendsten Auftragsarbeit zählt die bronzene Büste von Bundespräsident Dr. Heinrich Lübke. 

 

LITERATUR

  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe-Museumsamt für Westfalen: Wilhelm Wulff (1891–1980). Katalog zur gleichnamigen Wanderausstellung. 2011, ISBN 3-92720472-2.
  • Klaus Bußmann: Durchfreuen der Natur – Blumen Gärten Landschaften – August Macke und die Expressionisten in Westfalen. Münster 1994, ISBN 3-87088836-9.
  • Christine Knupp-Uhlenhaut (Hrsg.): Wilhelm Morgner – Briefe und Zeichnungen: Briefe an Georg Tappert, an die Mutter und an Wilhelm Wulff. 1984, ISBN 3-87902502-9.
  • Wulff, Wilhelm in: Thieme-Becker: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Bd. 44 ("W"), E. A. Seemann (CD-ROM), Leipzig 2008. ISBN 978-3-86502-177-9 (S. 690)
  • Wulff, Wilhelm in: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Fünfter Band (V-Z / Nachträge A-G), E. A. Seemann, Leipzig 1999 (Studienausgabe). ISBN 3-363-00730-2 (S. 176)
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