Erich Heckel (1883-1970)


Erich Heckel (1883-1970)


Preis auf Anfrage

 
 

TITEL  Abschied

TECHNIK  Holzschnitt auf Postkarte

SIGNATUR  Verso

ENTSTEHUNGSJAHR  1915

GRÖSSE  (H x B)  14,3 x 9,1 cm

PROVENIENZ  Atelier des Künstlers; Sammlung Dr. Walter Kaesbach, Nachlass Kaesbach, Süddeutschland; Privatsammlung Rheinland

RAHMEN  Hochwertiger Rahmen mit säurefreiem Passepartout

ZUSTAND  Sehr gut erhaltenes Blatt

AUSSTELLUNG  Düsseldorf 2018 (Galerie Ludorff), Schöne Grüße. Künstlerpostkarten

PRÄSENTATION  Das Kunstwerk kann mit einer vorherigen Anfrage besichtigt werden.

 

KUNSTWERK

"Abschied", Holzschnitt auf Postkarte, 1915, 14,3 x 9,1 cm, Dube H 274 (Maße geringfügig abweichend)

Mit brauner Tinte verfasste Postkarte Erich Heckels an Dr. Walter Kaesbach, gestempelt "BERLIN FRIEDENAU 18.6.15." Mit einer Foto-Expertise von Renate Ebner, Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen. Insgesamt existieren von dem Holzschnitt "Abschied" nur 4 Exemplare: Eines in der Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, eines im Folkwang Museum in Essen, eines im Brücke-Museum in Berlin und das vorliegende Exemplar als Postkarte.

An den Museumsdirektor Walter Kaesbach, der 1915 der Armee als Zugführer diente, schreibt Heckel diese Postkarte. Heckel leistet Sanitätsdienst an Schwerverletzten in einem Berliner Lazarett. Er wird im März 1915 in einen Sanitätszug nach Flandern versetzt, der unter der Leitung seines Freundes Walter Kaesbach steht. Dieser zieht vor allem Maler und Intellektuelle zu seiner Truppe und ermöglicht ihnen durch geschickte Diensteinteilung, neben ihren Pflichten in einem gewissen Ausmaß der künstlerischen Arbeit nachzugehen. Heckel lernt auf diese Weise neben den Malern Max Kaus, Anton Kerschbaumer und Otto Herbig den Juristen und Dichter aus dem Kreis um Stefan George, Ernst Morwitz, kennen. Der Sanitätszug wird in Ostende stationiert, wo Heckel mit einer kurzen Unterbrechung in Gent, bis zum Kriegsende 1918 Dienst tun wird. Ab 1916 übernimmt er von Kaesbach, der zum Rotkreuz-Delegierten ernannt wird, die Leitung des Sanitätszuges. Zur Weihnachtsfeier für die Krankensammelstelle malt Heckel 1915 auf zwei zusammengenähten Zeltbahnen  die sog. Ostender Madonna, die Kaesbach anschließend in der Nationalgalerie in Berlin deponieren lässt. Sie wird in der Nachkriegszeit sein populärstes Werk sein.

Künstlerpostkarten spielten in der Kunst des 20. Jahrhunderts ihre ganz eigene Rolle. Brieffreundschaften zwischen Künstlern, Galeristen oder Sammlern waren keine Seltenheit. Die jungen Künstler der Brücke-Generation machten das, was man heute schnell als Foto über das Handy verschicken würde: Sie versendeten kleine Zeichnungen per Postkarte, um Entwürfe und Ideen von aktuellen Werken zu teilen. Die Karten erzählen dabei nicht nur vom Werk der Künstler, sondern geben auch Einblick in ihr soziales Umfeld. Die Postkarte kam 1869 als „Correspondenzkarte“ in die Welt. Ab 1897 wurden Bild- und Grußkarten für den Massenmarkt produziert. Künstler liebten das neue Kommunikationsmittel sogleich, griffen aber nicht zu Vorfabriziertem. Sie schufen spontane Unikate auf der Leerseite, mit denen sie sich bei Ihren Fördern und Gönnerinnen, Galeristen oder Sammlerinnen bedanken oder in Erinnerung bringen konnten. Für kleines Geld, denn die Versandkosten lagen nur etwa bei der Hälfte des Briefportos. Für die jungen Expressionisten war manches Miniaturmotiv eine Ideenskizze für spätere Gemälde. 

 

KÜNSTLER

Der expressionistische Maler Erich Heckel wird am 31. Juli 1883 in Döbeln (Sachsen) geboren. Bereits während seiner Schulzeit lernt er den späteren Maler Karl Schmidt-Rottluff (1884 – 1976) kennen und freundet sich mit diesem an. Im Jahre 1904 beginnt Erich Heckel ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Dresden. Gemeinsam mit Ernst Ludwig Kirchner (1880 – 1938), Fritz Bleyl (1880 – 1966) und Karl Schmidt-Rottluff (1884 – 1976) gründet Heckel im Jahre 1905 die Künstlergemeinschaft "Die Brücke". Heckel übernimmt die Geschäftsführung. Im selben Jahr bricht der Künstler sein Architekturstudium ab und arbeitet von nun an als Bauaufseher im Architekturbüro von Wilhelm Kreis. 1907 gibt er diese Arbeit auf, um sich von nun an nur noch der Grafik und Malerei zu widmen.
In diesem und im folgenden Jahr verbringt Erich Heckel die Sommermonate gemeinsam mit Schmidt-Rottluff in Dangast (Nordsee) und 1909 und 1910 mit Kirchner und Max Pechstein (1881 – 1955) an den Moritzburger Teichen bei Dresden. 1911 folgt der Umzug aller "Brücke"-Mitglieder nach Berlin. Hier übernimmt Heckel das Atelier von Otto Müller (1898 – 1979). Im Jahre 1912 lernt er die Künstler Lyonel Feininger (1871 – 1956), Franz Marc (1880 – 1916) und August Macke (1887 – 1914) kennen. Außerdem nimmt er gemeinsam mit der "Brücke" an der Kölner Sonderbundaussstellung teil. Es folgt die Bekanntschaft mit Wilhelm Lehmbruck (1881 – 1919), Christian Rohlfs (1849 – 1938) und anderen Künstlern.

Nach der Auflösung der "Brücke" findet 1913 Heckels erste Einzelausstellung bei Fritz Gurlitt in Berlin statt. Ebenfalls seit diesem Jahr verbringt der Künstler die Sommer- und Herbstmonate an der Flensburger Förde und beteiligt sich 1914 an der Kölner Werkbundausstellung. Den Ersten Weltkrieg erlebt er als Sanitäter für das Rote Kreuz in Flandern. Während dessen lernt er Max Beckmann (1884 – 1950) kennen und es entstehen Holzschnitte und Lithografien wie "Verwundeter Matrose" (1915) und das Werk "Madonna von Ostende" (1915). Zurück in Berlin beteiligt sich Erich Heckel an Ausstellungen der "Novembergruppe" und wird Gründungsmitglied im "Arbeitsrat für Kunst". Außerdem unternimmt er Reisen durch Europa. In den Jahren 1922 und 1924 entsteht im Erfurter Angermuseum der Wandbildzyklus "Lebensstufen". Dieses Werk ist die einzige erhaltene Wandmalerei Heckels.

Zur Zeit der Nationalsozialisten erhält der Künstler Ausstellungsverbot und seine Werke werden als "Entartet" tituliert. 729 seiner Gemälde werden aus deutschen Museen beschlagnahmt. Das Berliner Atelier wird 1944 bei einem Bombenanschlag zerstört. Heckel selbst flüchtet zunächst an die Flensburger Förde, wo zahlreiche Aquarelle entstehen. Dann siedelt er nach Hemmerhofen (Bodensee) über und erhält von 1949 bis 1955 eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Karlsruhe. Im Jahre 1955 nimmt der Künstler an der "documenta I" in Kassel teil. Zudem erhält er 1956 das große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 1957 den Kunstpreis der Stadt Berlin, 1961 den Kunstpreis des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und 1967 den "Orden pour la Mérite".
Erich Heckel stirbt am 27. Januar 1970 in Radolfzell (Bodensee).

 

MUSEEN

  • Museum Ludwig, Köln
  • Brücke Museum, Berlin
  • Neue Nationalgalerie, Berlin
  • Kunstmuseum Bayreuth, Bayreuth
  • Museum Folkwang, Essen
  • Pinakothek der Moderne, München
  • Museum der Moderne Salzburg, Österreich
  • Kirchner Museum Davos, Davos, Schweiz
  • Courtauld Institute of Art, London, Englang
  • The Detroit Institute of Arts, Detroit, MI, USA
  • MoMa – Museum of Modern Art, New York City, USA
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