Franz Nölken (1884-1918)


Franz Nölken (1884-1918)


Preis auf Anfrage

 


TITEL  Liese im roten Kleid mit Tante und Großmutter Hüser (verso: "Schulgarten in Borgeln")

TECHNIK  Öl / Karton

SIGNATUR  Signiert "Nölken"

ENTSTEHUNGSJAHR  1906 (verso um 1905)

GRÖSSE (H x B)  65 x 79 cm

PROVENIENZ  Privatbesitz Westfalen; durch Erbgang an den letzten Besitzer

RAHMEN  Goldener Holzrahmen

ZUSTAND  Sehr gut erhalten

PRÄSENTATION  Das Kunstwerk können Sie in den nächsten Wochen besichtigen:

  • Museum Wilhelm Morgner, Soest • 25. September - 5. November 2019
  • Cologne Fine Art & Design vom 20. bis 24. November 2019 (Stand B44) 

 

KUNSTWERK  

"Liese im roten Kleid mit Tante und Großmutter Hüser" (verso: "Schulgarten in Borgeln"), Öl / Karton, 1906 (verso um 1905), 65 x 79 cm, signiert "Nölken", verso mit Bleistift "Nölken 1905".  Werkverzeichnis Meyer-Tönnesmann 84 (verso WVZ Meyer-Tönnesmann 61). Das Gemälde wird zum ersten Mal auf dem Markt angeboten. Es ist durch Erbgang innerhalb der Familie von der ersten Besitzerin an den letzten Besitzer weitergegeben worden. Die dargestellte Liese Johann aus Carthausen war die Tante des letzten Besitzers.

Sein Künstlerfreund Friedrich Ahlers-Hestermann schrieb über Franz Nölken im Jahr 1919: "In Westfalen hatte er sich [1904] ein Atelier auf dem Lande eingerichtet. Er war erbaulich anzuschauen, wie er, gestützt auf das Ansehn seiner dort seit langem ansässigen Familie, selbst eine stattliche Respektsperson und überall beliebt durch das Dorf zog. Sein stundenlanges Klavierspiel, das durch die geöffneten Fenster über die stillen Felder schallte, erhöhte noch seinen Nimbus. Die Malereien in den alten Kirchen des nahen Soest machten ihn nachdenklich gegenüber dem 'Impressionismus', den er trieb und seine Bekanntschaft mit dem Folkwang-Museum in Hagen - im Jahre 1905 - und mit dessen Gründer Osthaus sowie mit Christian Rohlfs war ein weiterer Anstoss zu selbstkritischen Betrachtungen" (aus:"Franz Nölken 1884-1918 mit Werkverzeichnis der Gemälde und Graphik, Hrsg. Galerie Herold, Westfälische Verlagsbuchandlung Mocker & Jahn, Soest, 1984, Seite 93"

Von Januar bis April 1906 hielt sich Franz Nölken zusammen mit Alfred Rosam (1883-1916) zu Studienzwecken in Berlin auf. Sie hatten dort ein gemeinsames Atelier in der Von-der-Heydt-Straße. Sie besuchten unter anderem die Berliner Sezession und die 'Jahrhundertausstellung'. Prägend war das Treffen mit dem Kunstschriftsteller Julius Meier-Graefe. Im Sommer 1906 hatte Franz Nölken eine eigene Ausstellung im Folkwang-Museum in Hagen. Studienaufenthalte an der Ostsee und in Borgeln folgten. Genau in dieser prägenden Zeit enstand das Gemälde "Liese im roten Kleid mit Tante und Großmutter Hüser". Die dargestellten sind Liese Johann mit Ihrer Tante (Bertha Hüser) und Großmutter. Bertha Hüser war eine Cousine Franz Nölkens aus Borgeln.

Verso klebt auf dem Gemälde ein alter, mit Schreibmaschine geschriebener Zettel. Er beschreibt die Situation, in der Franz Nölken das Gemälde malte (siehe Foto).

 

KÜNSTLER

Franz Nölken (* 5. Mai 1884 in Hamburg; † 4. November 1918 in La Capelle, Département Aisne, Frankreich) war ein deutscher Maler des Expressionismus und zeitweise Mitglied der Künstlervereinigung Brücke.

Franz Nölken brach 1900 als Sechzehnjähriger den Schulbesuch des Johanneums ab und besuchte auf Anraten von Alfred Lichtwark, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle, die Malschule von Arthur Siebelist, der seine Schüler im Gegensatz zur akademischen Ausbildung der damaligen Zeit zum Malen in die freie Natur führte. Im Jahr 1903 wurde er in den „Hamburgischen Künstlerclub von 1897“ aufgenommen. 1904 zeigte eine erste Ausstellung der Siebelist-Schüler Friedrich Ahlers-Hestermann, Fritz Friedrichs, Walter Alfred Rosam und Walter Voltmer in der Galerie Commeter, Hamburg, auch seine Werke. Im selben Jahr stellte er sein Bild Am Brunnen fertig, das heute in der Hamburger Kunsthalle zu besichtigen ist.

1905 hielt er sich zu Studienzwecken in Borgeln bei Soest auf. Er lernte Edvard Munch, Karl Ernst Osthaus, Christian Rohlfs und Emil Nolde kennen, sowie seinen Förderer und Sammler Ernst Rump, der ihn später finanziell unterstützen sollte. Mit Friedrich Ahlers-Hestermann und Walter Rosam unternahm er 1907 eine Reise nach Paris, wo er sich dem internationalen Künstlerkreis des Café du Dôme anschloss. Im Jahr 1908 wurde er auf Vorschlag von Karl Schmidt-Rottluff Mitglied der Dresdner Künstlervereinigung Brücke und in diesem Jahr namentlich im Verzeichnis der aktiven Mitglieder aufgeführt. 1909/10 nahm er an Wanderausstellungen der Brücke teil, zog sich 1912 jedoch wieder zurück. Im März 1909 unternahm er eine zweite Parisreise zur Weiterbildung und schloss sich mit Walter Rosam, Friedrich Ahlers-Hestermann und Gretchen Wohlwill der Académie Matisse an, die im Winter 1907/1908 auf Anregung von Sarah Stein, der Schwägerin der Kunstsammlerin Gertrude Stein, und des deutschen Malers Hans Purrmann gegründet worden war und die bis 1911 bestand. In dieser Zeit hatte sie mehr als hundert Schüler. Bekanntschaft mit Anita Rée und Max Reger. Nach seiner Rückkehr aus Paris schloss er 1910 Freundschaft mit Anita Rée, die seine Schülerin wurde und mit der er eine Ateliergemeinschaft bildete, der auch Ahlers-Hestermann angehörte. Die Freundschaft zerbrach aufgrund Rées unerwiderter Liebe zu Nölken. Im Jahr 1912 unterrichtete er an der Hamburger Malschule von Gerda Koppel. Im folgenden Jahr lernte er den Komponisten Max Reger kennen, von dem er zahlreiche Bildnisse schuf. Eines der Reger-Porträts hing im Billardzimmer des Unternehmers Oscar Troplowitz, der als Mäzen die Siebelist-Schüler förderte und sich von Nölken 1916 porträtieren ließ. 1916 wurde er auch Mitglied des Hamburger Künstlervereins von 1832. Im Mai 1914 reiste er ein drittes Mal auf der Suche nach künstlerischen Anregungen nach Paris. Ein von Lichtwark 1914 in Auftrag gegebenes Selbstporträt wurde 1915 von der Hamburger Kunsthalle erworben. Im Ersten Weltkrieg wurde er 1917 zum Kriegsdienst eingezogen; kurz vor Kriegsende fiel Franz Nölken in La Capelle in Frankreich.

Nölken strebte nach Vereinfachung der Bildmittel. Er hatte eine große zeichnerische Begabung und malte daher vorwiegend Personen, aber auch Stillleben und Landschaften. Werke von Franz Nölken sind in der Hamburger Kunsthalle, im Brücke-Museum Berlin und im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf ausgestellt.

 

AUSSTELLUNGEN

1984: Galerie Herold, Hamburg
1987: Brücke-Museum, Berlin
1989: Matisse und seine deutschen Schüler, Pfalzgalerie Kaiserslautern
1990: Ernst Barlach Museum, Hamburg
1996: Galerie Herold, Hamburg
2005: Nolde, Nölken, Modersohn-Becker. Der kunstliebende Kaufmann Ernst Rump. Ernst Barlach Museum, Hamburg
2018: Ernst Barlach Haus, Hamburg
2019: Museum Wilhelm Morgner, Soest

 

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