Arnold Topp (1887-1945)


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TITEL  An Paul Scheerbart

TECHNIK  Aquarell, farbige Tusche und Deckweiß / Karton

SIGNATUR  Mitte links "A. TOPP: 19"

ENTSTEHUNGSJAHR  1919

GRÖSSE (H x B) 28,5 x 20 cm

RAHMEN  Rahmen aus Holz mit säurefreiem Passepartout und UV-Schutzverglasung

ZUSTAND  Allgemein sehr schön

PROVENIENZ  Sammlung Eggers, Essen; Privatsammlung USA

KUNSTMARKT  Im Jahr 2002 wurde ein Aquarell des Künstlers aus dem Jahr 1919 für 65.000€ versteigert

AUSSTELLUNG  Für das Aquarell liegt eine Leihanfrage für eine Ausstellung im Jahr 2021 vor

PRÄSENTATION  Das Werk kann in der Galerie in Bad Iburg besichtigt werden

 

KUNSTWERK

"An Paul Scheerbart", 1919, Aquarell, farbige Tusche und Deckweiß auf Aquarellkarton, 28,5 x 20 cm, signiert und datiert "A. TOPP: 19", WVZ Greifeld/Enders Nr. 19.M.3.

Architektur und Literatur – auf den ersten Blick scheint die beiden Felder wenig miteinander zu verbinden. Anfang des 20. Jahrhunderts aber waren literarische Texte ein wichtiges Experimentierfeld für die Entwurfsideen der architektonischen Avantgarde. Auch für den zukunftsweisenden Werkstoff Glas – zu Beginn der Moderne noch ein schwer zu handhabendes Spezialmaterial, das nur selten im größeren Stil verbaut wurde – wurden die Einsatzmöglichkeiten zunächst im Medium der Literatur ausgelotet. Eine wichtige Rolle spielte dabei das Werk von Paul Scheerbart (1863–1915).
Siehe  Erdichtete Glaspaläste: Paul Scheerbart in BAUMEISTER - Das Architektur Magazin.

"»Die Dichtung Paul Scheerbarts war das bestimmende Erlebnis dieser Zeit.« Und Topp und [Bruno] Taut sind begeisterte Anhänger des Dichters. Arnold Topp gestaltet 1917 für Scheerbarts Buch »Glasarchitektur« einen neuen Umschlag und schenkt es Bruno Taut. Und der wiederum entwirft für Topp einen »Sternenschrein«, eine kostbare Umrahmung für ein besonders wertvolles Bild. ...Allen, die Arnold Topp verehrt, widmet er mindestens ein Bild: Hedwig Taut, Paul van Ostaijen, Paul Scheerbart und Marc Chagall." aus: Rainer Enders: Arnold Topp - Ein Lebensbild. Vdg, Weimar 2007, S. 64ff. 

Arnold Topp nimmt zwei Zeilen eines Gedichtes des Schriftstellers und Zeichners Paul Scheerbart auf und verarbeitet die Stimmung in dem Aquarell.

 

Dicker roter Mond

Ach, ich kann ja gar nicht schlafen!

Über dem dunkelgrünen Myrtentor

Thront ein dicker roter Mond. -

Ob es später wohl noch lohnt,

Wenn man auf dem Monde wohnt?

Über dem dunkelgrünen Myrtentor?

Wär′s nicht möglich, daß uns drüben

„Längre“ Seligkeiten küßten?

Wenn wir das genauer wüßten!

Hier ist alles zu schnell aus.

Jeder lebt in Saus und Braus.

Wem das schließlich nicht gefällt,

Hält die ganze große Welt

Auch bloß für ein Narrenhaus!

Ach, ich kann ja gar nicht schlafen!

Alter Mond, ich lach dich aus!

Doch du machst dir nichts daraus!

 

Das Aquarell und das Gedicht sind abgebildet in "Rainer Enders, Arnold Topp - Ein Lebensbild, mit einem Werkverzeichnis von Thomas Greifeld & Thomas Enders, Weimar, 2007", S. 53 und S. 226.

 

KÜNSTLER

Arnold Topp (* 8. März 1887 in Soest (Westfalen); 1945 verschollen und 1961 für tot erklärt) war ein deutscher Maler des Expressionismus und Kubismus.

Bereits 1904 war Arnold Topp mit den Soester Künstler Wilhelm Morgner, Wilhelm Wulff und Eberhard Viegener freundschaftlich verbunden. 1910 begann Topp eine künstlerische Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf, wo er am Seminar für Zeichenlehrer bei Lothar von Kunowski studierte. Schon in dieser Zeit kam er in Kontakt zu den rheinischen Expressionisten. Nach dem Besuch und Abschluss des Soester Lehrerseminares begann er 1913 als Sport- und später als Zeichenlehrer am Saldernschen Realgymnasium in Brandenburg an der Havel.

Von hier aus pflegte Topp seinen früher geknüpften Kontakt mit Herwarth Waldens Galerie „Der Sturm“. Während der regelmäßigen Berlinaufenthalte entstanden Freundschaften mit Künstlerkollegen wie Bruno Taut und Georg Muche. Der künstlerische Erfolg stellte sich bald ein. Topps Arbeiten wurden 1915 in der Galerie „Der Sturm“ ausgestellt. Jedoch erfuhr noch im selben Jahr seine künstlerische Schaffenskraft eine Unterbrechung, bedingt durch den Einzug zum Kriegsdienst. Während der Schlacht um Verdun erlitt er Verwundungen und kehrte 1918 nach Lazarettaufenthalten nach Brandenburg zurück, wo er weiter als Lehrer arbeitete. Ab 1927 hatte er den Titel Studienrat.

1914 heiratete der Maler Else Hollerbaum (* 1891) und im darauffolgenden Jahr wurde sein erster Sohn Helmut, 1921 sein zweiter Sohn Franz-Georg geboren. Seine Ehe stand unter keinem guten Stern. Neben zahlreichen Seitensprüngen behandelte er seine Frau oft übel, was seine Freunde befremdete. Andererseits hatte seine Frau wenig Verständnis für seine Kunst.

Arnold Topp zählt zu den Gründungsmitgliedern des 1919 entstandenen Arbeitsrates für Kunst. 1926 stellte er mit Kurt Schwitters und Lajos d’Ebneth in „Der Sturm“ aus. Bis 1929 folgten Beteiligungen an zahlreichen Ausstellungen in Deutschland, aber auch in den Vereinigten Staaten von Amerika, der Sowjetunion, Japan sowie Frankreich. Weiterhin wurde von ihm im Zuge des Illustratorberufes Das Hohe Ufer gestaltet.

In Reaktion auf das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums trat er 1933 in den NS-Lehrerbund ein. Trotzdem brandmarkten die Nationalsozialisten sein Schaffen als entartet und er wurde folglich mit mindestens fünf seiner Werke in der Ausstellung Entartete Kunst von 1937 ausgestellt.

Obwohl Topp ab 1934 wieder mit seiner Frau verheiratet ging sein Lebenswandel unverändert weiter. Als sich eine seiner Geliebten das Leben nahm, verlangte Oberbürgermeister Wilhelm Sievers seine Bestrafung. Das Schulamt, das ihn weiter als Lehrer schätzte, nahm ihn aus der Schusslinie und versetzte ihn 1940 nach Meseritz im Osten Brandenburgs. Im letzten Kriegsjahr wurde er zum Volkssturm einberufen und anschließend zur Wehrmacht versetzt. Seit einem Kampfeinsatz selben Jahres gilt er als verschollen, vermutlich geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft.

Bedingt durch die Flucht vor der Roten Armee war seine Frau gezwungen, Haus, Atelier und damit auch Arbeiten ihres Mannes zurückzulassen. Sie beantragte 1961 die Todeserklärung ihres Mannes durch das Amtsgericht Soest.

Arnold Topp ist bekannt für seine farbenfrohen, kubistischen Bilder, die oft figurative, landschaftliche und architektonische Elemente enthalten. Charakteristisch für sein Werk ist die kompositorisch angelegte innere Dynamik, seine Ölgemälde kennzeichnet eine glühende Farbigkeit.

  

LITERATUR

  • Rainer Enders: Arnold Topp - Ein Lebensbild. Vdg, Weimar 2007, ISBN 3-89739-547-9.
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