Hermann Stenner (1891-1914)


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TITEL  Ausblick auf Kiefernwald

TECHNIK  Öl auf Leinwand

SIGNATUR  -

ENTSTEHUNGSJAHR  1909

GRÖSSE  (H x B)  37,3 x 48 cm

RAHMEN  Holzrahmen

ZUSTAND  Sehr gut

PROVENIENZ  Künstlernachlass; Erich Stenner, Bielefeld; Privatbesitz, München

KUNSTMARKT  Ölgemälde des Künstlers werden auf Auktionen mit Preisen bis zu 136.000€ gehandelt

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KUNSTWERK

"Ausblick auf Kiefernwald", 1909, Öl auf Leinwand, 37,3 x 48 cm, WVZ Hülsewig-Johnen/Reipschläger 26 und Gmelin G23, verso montiert der alte Karton mit dem Nachlassstempel.

Der 18jährige Student Hermann schreibt Anfang 1910 in einem Brief an seine Eltern: "Wenn ich manchmal so im Atelier sitze, sehe ich mich auf einmal in die Heimat, in den heimatlichen Wald versetzt, dann muß ich unwillkürlich lachen. Es gibt doch nichts Schöneres als den Wald bei Detmold, Externsteinen, usw. Solche Schönheit gibt`s nirgends. Natürlich existiert die in dem Maße nur für uns, die wir dort zu Hause sind." Der Wald ist ein Thema, welches Hermann Stenner in seinem künstlerischen Leben immer wieder aufgreift und bearbeitet. Es existieren die verschiedensten Darstellungen in den Entwicklungsphasen des jungen Künstlers. Insgesamt 16 Gemälde mit Abbildungen des Waldes werden im Werkverzeichnis aufgeführt. Der künstlerische Spannungsbogen reicht von realistischen Walddarstellungen zu Beginn der Ausbildung bis hin zu expressiven Farbflächen in der späten Phase des Schaffens.

Das Gemälde "Ausblick auf Kiefernwald" befindet sich aufgrund seiner Technik und Farbkomposition genau in der spannenden Übergangsphase zwischen impressionistischer und expressiver Malerei. Es gibt dem Betrachter einen Einblick in die Arbeitsweise Hermann Stenners. In schnellen Pinselzügen hat er die unterschiedlichsten Farbakzente nebeneinander gesetzt: Grün, blau, rot, orange, braun und weiß. Die Farben werden nur noch in angedeuteten, abstrahierten Flächen nebeneinander gesetzt. Ein damaliger Mitschüler Hermanns schrieb: "Also, Stenner kam mit seiner großen schönen Leinwand, pflanzte sich neben mich in die Ecke und geht spontan an die Arbeit. Ich weiß noch genau, er arbeitet sehr flüchtig, lasierend mit viel Terpentin, sodaß die Farben ins Laufen kamen. Er setzte fast ungemischte Töne nebeneinander, ließ den weißen Grund als Rücken stehen ..."

Vermutlich hat der Künstler dieses Gemälde "en plein air" im Wald sitzend gemalt. Der Blick führt aus dem dunklen Kiefernwald über farbige Wiesen hinüber zu einer angedeuteten Siedlung. Den Abschluss bildet ein blauer Wald vor einem weißgrauen Himmel. Das Gemälde "Ausblick auf Kiefernwald" ist ein erster Schritt Hermann Stenners in Richtung der expressiven Malerei.

Das Gemälde "Ausblick auf Kiefernwald" wurde in den folgenden Ausstellungen gezeigt:

  • Bielefeld 1956, Katalog-Nr. 8

 

KÜNSTLER

Hermann Stenner (* 12. März 1891 in Bielefeld; † 5. Dezember 1914 an der Ostfront in Iłów (deutsch:Enlau)) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Stenner gehört zu den herausragenden Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts, obwohl ihm durch seinen frühen Tod im Ersten Weltkrieg nur eine kurze Schaffensphase von fünf Jahren vergönnt war. In dieser Zeit schuf der junge Künstler ein umfangreiches Œuvre: Annähernd 280 Gemälde und weit über 1500 Arbeiten auf Papier sind bekannt. Nach impressionistischen Anfängen um 1909 wurde Stenners Malweise ab 1911 zunehmend ausdrucksstärker mit hartem Kontur und kräftigen Farben. Diese Hinwendung zum Expressionismus geschah unter dem Einfluss Kandinskys, ab 1912/13 aber vor allem durch seinen Lehrer Adolf Hölzel.

Schon während seiner Realschulzeit malte der Sohn des Bielefelder Malermeisters Hugo Stenner Kopien alter Gemälde. Danach besuchte er ab 1908 die Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bielefeld. Im April 1909 wurde er zur Aufnahmeprüfung für die Kunstakademie in München zugelassen und trat in die Zeichenklasse von Heinrich Knirr ein. Den Sommer 1909 verbrachte Stenner bei Hans von Hayek an dessen Malschule in Dachau und machte dort ganz erhebliche Fortschritte in seiner Malerei. Von Hayek und Knirr empfahlen ihm daraufhin nicht mehr, wie zuvor, den in München lehrenden Hugo von Habermann als geeigneten Malereiprofessor, sondern den in Stuttgart lehrenden Christian Landenberger.

Ende März 1910 zog Hermann Stenner nach Stuttgart, wo er an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in die Malklasse von Landenberger aufgenommen wurde. Im Oktober 1911 wechselte er in die Komponierklasse von Adolf Hölzel, dessen Vorlesungen völlig abwichen vom Unterricht Landenbergers und von Hayeks. Zunächst folgte Stenner ihnen mit großer Begeisterung, da sie ihm eine neue Welt eröffneten und die Malerei als eine Art Wissenschaft nahebrachten. Später löste er sich von der allzu starken Beeinflussung durch die Vorlesungen und entwickelte seinen eigenen Stil weiter. Schon nach einem Semester bot Hölzel Hermann Stenner an, in eines der begehrten Meisterschülerateliers im Garten des Stuttgarter Schlosses umzuziehen, was dieser im März 1912 auch mit großer Freude tat. Während des Sommersemesters nahm Stenner noch an einer längeren Exkursion nach Monschau (Montjoie) mit Hölzel teil, bei der einige Gemälde mit einem gesteigerten Grad futuristischer Synapsis sowie eine große Zahl an Zeichnungen entstanden.

Im August 1912 verbrachte er mit seinem Freund Hans Hildebrandt, einem Kunsthistoriker, und dessen Frau Lily vier Wochen in Paris.

1913 wurde er zur Ersten deutschen Expressionisten-Ausstellung in Dresden eingeladen. Im selben Jahr gab Adolf Hölzel den Auftrag zur Ausführung der Wandmalereien für die Vorhalle des Hauptgebäudes der Kölner Werkbundausstellung 1914 an Stenner, Oskar Schlemmer und Willi Baumeister. Der Wandfries erregte großes Aufsehen und rief die unterschiedlichsten Reaktionen hervor, von enthusiastischer Begeisterung bis zu kategorischer Ablehnung.

Am 7. August 1914 meldete Stenner sich zusammen mit Oskar Schlemmer als Kriegsfreiwilliger und trat in das Grenadier-Regiment Nr. 119 ein. Nach zwei Monaten an der Westfront wurde er Ende November mit seinem Regiment „Königin Olga“ an die Ostfront verlegt, wo er in den frühen Morgenstunden des 5. Dezembers 1914 in Polen bei einem Angriff auf die Stadt Iłów im heutigen Powiat Sochaczewski in der Woiwodschaft Masowien fiel.

Er schuf in fünf Jahren rund 300 Gemälde und mehr als 1500 Aquarelle und Zeichnungen. 

Willi Baumeister in einem Brief vom 15. Juni 1950: "Stenner war ein frischer, heiterer Mensch und Künstler. Seine Leistungen waren ausgezeichnet ...Ich schätze die Malereien Stenners sehr, wie Oskar Schlemmer auch. Er wäre einer der besten Maler Deutschlands geworden, wenn nicht der sinnlose verbrecherische Krieg seine Opfer geholt hätte."

Im Jahre 2015 wurde bekannt, dass eine Stiftung den Betrieb eines Stenner-Museums in der Bielefelder Villa Weber ermöglichen wird. Das Museum wird unter anderem als Dauerleihgabe die Sammlung des Juristen Hermann-Josef Bunte beherbergen. Das Kunstforum Hermann Stenner wird seine Verortung in den beiden zu erhaltenden und denkmalgeschützten Gebäudeteilen des Ortwin Goldbeck Forum in Bielefeld erhalten. (Quellen: Wikipedia.de, Homepage Freundeskreis Hermann Stenner)

Hermann Stenner wurde als einer der wichtigen Künstlers Westfalens aufgenommen in den Band «100 Meisterwerke westfälischer Kunst«, Klaus Kösters, Aschendorff Verlag, Münster 2011, S. 152/153.

 

MUSEEN UND SAMMLUNGEN

  • Ahlen, Kunstmuseum
  • Albstadt, Städtische Galerie Albstadt
  • Bielefeld, Kunsthalle
  • Hamm, Städtisches Gustav-Lübcke-Museum
  • Köln, Kolumba - Kunstmuseum des Erzbistums Köln
  • Lugano, Museo Cantonale d' Arte Lugano
  • Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
  • Sindelfingen, Galerie der Stadt Sindelfingen
  • Stuttgart, Kunstmuseum
  • Stuttgart, Staatsgalerie
  • Sammlung Bunte, Bielefeld

 

LINKS

Frankfurter Allgemeine Zeitung  (5. Oktober 2005)

Handelsblatt  (12. August 2015)

Tagesschau  (21 März 2014)

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