Ernst Barlach (1870-1938)


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TITEL Aus dem neuzeitlichen Totentanz

TECHNIK  Lithografie auf Bütten

SIGNATUR  Unten rechts "E Barlach"

ENTSTEHUNGSJAHR  1916

GRÖSSE  (H x B)  29,5 x 21 cm (38 x 28,5 cm)

RAHMEN  Holzrahmen mit säurefreiem Passepartout und UV-Schutzverglasung

ZUSTAND  Gut erhalten

AUFLAGE  50 Exemplare

PROVENIENZ  Privatsammlung, Baden-Württemberg

PRÄSENTATION  Das Bild kann in der Galerie in Bad Iburg zurzeit nicht besichtigt werden

 

KUNSTWERK

"Aus dem neuzeitlichen Totentanz", 1916, Lithografie auf Bütten, 29,5 x 21 cm, signiert "E Barlach", WVZ Schult 78, Vorzugsdruck, erschienen in der Zeitschrift "Der Bildermann", Nr. 11, Berlin 1916.

"Die Lithografie »Aus einem neuzeitlichen Totentanz« erschien im September 1916 in der pazifistischen Zeitschrift "Der Bildermann". Der Verleger und Galerist Paul Cassirer machte zum Kriegsausbruch selbst Erfahrungen im Kriegsdienst und Lazarett, die zu seiner kriegsfeindlichen Gesinnung beitrugen.

Ernst Barlach greift in dieser Druckgrafik das Traditionsmotiv des Totentanzes wieder auf. Als eine Kunstform die Bild und Text miteinander verbindet erlangte die Thematik des Totentanzes bereits im ausgehenden Mittelalter an großer Bekanntheit. Mit Erfahrungen der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert erlebte das Totentanzmotiv eine Renaissance. Die klassische Auslegung des Gegenstandes verbildlichte mehrere menschliche Gestalten aus der damaligen Ständeordnung, die von tanzenden oder springenden Skeletten als Personifikation des Todes umringt werden. Über die Jahrhunderte veränderte sich die Komposition und Auslegung des Themas, aber die warnende Intention und die Grundaussage, dass der Tod keine Unterschiede zwischen Alter, Geschlecht und Stand macht, ist erhalten geblieben.

Barlach lässt in seiner Lithografie die Gestalt des Todes als einen dämonischen Riesen erscheinen, der mit erhobenen Armen einen Schmiedehammer über die sterblichen Überreste der Menschen rasen lässt und auch die letzten Knochen zertrümmert. Als Zeichen der abgelaufenen Lebenszeit liegen Sense und Sanduhr nebeneinander auf dem Boden. Die Krähen als unheilvolle Botschafter begleiten den Tod bei seiner Machenschaft und verdüstern verstärkt die Szenerie. Wie in dem Gedicht "Der Krieg" von Georg Heym aus dem Jahr 1911 verbildlicht Barlach den Krieg als große unbekannte Gestalt, die ihren Schrecken während der Dämmerung verbreitet." (aus: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Graphische Sammlung).

Zu der Lithografie »Aus einem neuzeitlichen Totentanz« existiert eine Vorzeichnung als Dauerleihgabe der Flechtheim Nachkommen im Museum Ludwig Köln.

 

KÜNSTLER

Ernst Heinrich Barlach (* 2. Januar 1870 in Wedel; † 24. Oktober 1938 in Rostock) war ein deutscher Bildhauer, Schriftsteller und Zeichner.

Ernst Barlach war ältester von vier Söhnen des Arztes Georg (Gottlieb) Barlach (1839–1884) und dessen Frau Johanna Louise, geb. Vollert (1845–1920). Einen Großteil seiner Kindheit verbrachte er in Schönberg (Mecklenburg), wo der Vater ab 1872 praktizierte, und ab Herbst 1876 in Ratzeburg. Zu seinem Umzug von Schönberg nach Ratzeburg berichtet Barlach in seinem 1928 erschienenen autobiographischen Werk Ein selbsterzähltes Leben: „...und als später mein ... Vater zu mir sagte: ‚Wir ziehen nun bald nach Ratzeburg‘, da fragte ich hellhörig zurück: ‚Ist das da, wo das schöne Wasser war?‘ - Das war es.“ Demselben Werk lässt sich entnehmen, dass die Familie in Ratzeburg zuerst ein Haus in der Seestraße 6 bezog, aber nach kurzer Zeit schon in „das alte Haus mit dem hohen Dach“ zog, das Barlach später stets sein „altes Vaterhaus“ nannte und in dem sich heute das Ratzeburger Barlachmuseum befindet. Nach dem Tod des Vaters kehrt Barlach als Halbwaise mit der Familie nach Schönberg zurück, wo er die Realschule besuchte.

Nach dem Kunststudium an der Kunstgewerbeschule Hamburg von 1888 bis 1891 schloss sich ein Studium an der Kunstakademie in Dresden bis 1895 als Meisterschüler bei dem Bildhauer Robert Diez an. Seine Abschlussarbeit dort war Die Krautpflückerin. Es folgte ein zweijähriger Aufenthalt in Paris, wo er hauptsächlich mit schriftstellerischer Arbeit beschäftigt war. Zwischen 1894 und 1897 verbrachte er mehrmals einige Zeit in Friedrichroda, wo er in der Alexandrinenstraße 26 eine Unterkunft hatte. Ab dem Jahr 1897 arbeitete Barlach zunächst als freischaffender Künstler. 1901 zog er zurück in seine Geburtsstadt Wedel und begann mit ersten dramatischen Versuchen. Auch schuf er vor allem Kleinkeramik für die Töpferwerkstatt Mutz in Altona. 1904 war er für ein halbes Jahr durch Vermittlung von Peter Behrens als Lehrer an der Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen (Westerwald) tätig.

Im Jahr 1906 unternahm Barlach eine Reise nach Russland; die Eindrücke des russischen Bauerntums und der Volkskunst sollten in ihrer Gestaltungsweise seine Skulpturen zukünftig beeinflussen. Im selben Jahr wurde er Vater eines Sohnes, Nikolaus (Klaus), aus der kurzen Beziehung mit der Näherin Rosa Schwab, die ihm auch Modell gestanden hatte. Nach zweijähriger gerichtlicher Auseinandersetzung erhielt er als Vater das Sorgerecht. 1907 stellte Barlach im Frühjahrssalon der Berliner Secession die von Richard Mutz ausgeformten farbigen Terrakotten Russische Bettlerin mit Schale und Blinder russischer Bettler aus. Ab 1909 war Barlach Stipendiat in der Villa Romana in Florenz.

Bereits Barlachs frühe Arbeiten setzen sich mit dem Menschen, seinen Lebensbedingungen und seinen Haltungen zum Leben auseinander. Ab 1910 nahm er regelmäßig an Ausstellungen der Berliner Secession, des Sonderbundes und beim Kunstsammler Paul Cassirer in Berlin teil. Seit diesem Jahr lebte Barlach gemeinsam mit seiner Mutter Louise († 1920) und seinem Sohn Klaus in Güstrow (Mecklenburg), wo er sich nach seinen Bedürfnissen ein von Adolf Kegebein entworfenes Atelier und Wohnhaus am Inselsee bauen ließ. Hier entstanden seine Hauptwerke. In Güstrow traf er 1914 auch zum ersten Mal Friedrich Schult, aus dem sich später eine lebenslange Freundschaft entwickelte. In den Gesprächen machte Barlach auch die Aussage: „Zu jeder Kunst gehören zwei: einer, der sie macht, und einer, der sie braucht.“ Nach seiner Einberufung 1915 zum Landsturm beschäftigte er sich besonders mit dem Erlebnis „Krieg“. 1925 wurde er Ehrenmitglied der Akademie der Bildenden Künste München.

Nachdem sich das mit Barlach befreundete Ehepaar Bernhard A. Böhmer (Kunsthändler) und dessen Frau Marga (Bildhauerin) 1927 getrennt hatte, wurde Marga Böhmer bis zu seinem Tod seine Lebensgefährtin und danach seine Nachlassverwalterin. In kurzen Abständen entstanden seine Dramen Der tote Tag (1912), Der arme Vetter (1918), Die echten Sedemunds (1920), Der Findling (1922), die Sündflut (1924), Der blaue Boll (1926); 1927 arbeitete er am Drama Der Graf von Ratzeburg.

1922 wurde in Kiel das erste Ehrenmal Schmerzensmutter eingeweiht. Das Ehrenmal für die Gefallenen, Der Schwebende, im Güstrower Dom entstand 1927. In Der Schwebende soll Barlach die Gesichtszüge seiner Künstlerkollegin Käthe Kollwitz verarbeitet haben. Bereits ein Jahr später wurde vor der Kieler Universitätskirche der Geistkämpfer aufgestellt. 1929 folgte das Ehrenmal im Magdeburger Dom, 1931 das Hamburger Ehrenmal. Barlach gehörte zu den 37 Unterzeichnern des Aufrufs der Kulturschaffenden vom 19. August 1934, in dem er bekannte, in „Vertrauen und Treue zu ihm (Adolf Hitler) zu stehen.“

Der Entwurf einer Pietà für Stralsund kam 1932 wegen Anfeindungen aus nationalsozialistischen Kreisen nicht mehr zur Vollendung. Die gegen Barlach entfachte Rufmordkampagne führte 1934 zur Magazinierung des Magdeburger Ehrenmals, 1937 zur Entfernung des Kieler Geistkämpfers und des Güstrower Ehrenmals, das 1941 eingeschmolzen wurde. Freunde hatten einen Zweitguss angefertigt, der bis zum Kriegsende bei Hugo Körtzinger in Schnega versteckt wurde. 1938 folgte die Entfernung des Reliefs Trauernde Mutter mit Kind vom Hamburger Ehrenmal und der erzwungene Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste. Mehr als 400 seiner Werke wurden als „entartete Kunst“ aus öffentlichen Sammlungen entfernt. 1937 belegte ihn die Reichskammer der Bildenden Künste mit einem Ausstellungsverbot.

Im Alter von 68 Jahren erlag Barlach am 24. Oktober 1938 in der Rostocker St.-Georg-Klinik einem Herzinfarkt. Er wurde in der Grabstätte der Familie Barlach auf dem „Vorstadtfriedhof“ (Friedhof an der Seedorfer Straße) in Ratzeburg begraben. Auf der Grabstätte befindet sich die Skulptur „Der singende Klosterschüler“ (1931).

 

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