Erich Heckel (1883-1970)


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TITEL  Gelbes Stillleben

TECHNIK  Tempera auf Leinwand

SIGNATUR  Unten rechts Monogramm "EH 18"

ENTSTEHUNGSJAHR  1918

GRÖSSE  (H x B)  71 x 51 cm

PROVENIENZ
Klaus Gebhard, Elberfeld (1919); Erich Heckel, Hemmenhofen/Berlin (Tausch, um 1931); Galerie Alex Vömel, Düsseldorf (1948); Karl Reuss, Moers (1948); Privatbesitz, München; Privatbesitz, Mannheim

RAHMEN  Hochwertiger Modellrahmen

ZUSTAND  Sehr gut erhalten

PRÄSENTATION  Das Kunstwerk kann in der Galerie in Bad Iburg besichtigt werden

 

KUNSTWERK

"Gelbes Stillleben", Tempera auf Leinwand, 1918, 71 x 51 cm, monogrammiert und datiert "EH 18", verso signiert und datiert "EHeckel 1918" und auf dem Keilrahmen betitelt, WVZ Hüneke 1918-15 (Abb.), verso auf dem Keilrahmen handschriftlich bezeichnet „Reuss“ sowie mit der Nummer „C 6902“ und einem typographischen Etikett mit der Nummer „126“.

Der erste Besitzer des Gemäldes «Gelbes Stillleben« war der Textilfabrikant und Kunstsammler Klaus Gebhard (1896-1978). Gebhard war Leiter der Seidenweberei in Vohwinkel (Wuppertal). Als Kunstsammler konzentrierte er sich auf Werke der Expressionisten, insbesondere "Brücke"-Künstler wie Heckel und Kirchner. Gebhard erwarb nach 1945 auch viele Werke der zeitgenössischen Moderne bis hin zur amerikanischen Pop-Art. Klaus Gebhard gehörte zum Kundenkreis Alfred Flechtheims und war mit verschiedenen Künstlern befreundet, u.a. Else Lasker-Schüler. Die Sammlung Gebhard umfasste Werke von Erich Heckel, Otto Müller, Willi Baumeister, Wilhelm Lehmbruck, Max Beckmann, Paul Klee, etc.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wechselt Erich Heckel bei seinen Gemälden von Ölfarbe zu selbst zubereiteten Temperafarben, der sogenannten „Ersten-Weltkriegs-Tempera“ aus Kasein, und experimentiert auch mit Leimfarben und Eitempera. Bis etwa 1919/1920 behält er diese Technik bei. Von ihm selbst gibt es keine Äußerungen dazu, was ihn zu dieser Änderung veranlasst hat. Anzunehmen ist, dass während der Kriegszeit die Beschaffung von handelsüblichen Malmaterialien und insbesondere von Ölfarben erschwert war. Doch vermutlich ist der eigentliche Auslöser für die Hinwendung zur Temperamalerei ein gänzlich anderer: Heckel besucht während seiner Zeit in Flandern das Museum in Brüssel, wo ihn vor allem das Gemälde „Landschaft mit dem Sturz des Ikarus“ (auch „Der Ackersmann“) von Pieter Bruegel dem Älteren tief beeindruckt. Der Künstler Max Kaus, gemeinsam mit Heckel Sanitätssoldat unter Kaesbach, berichtet später dazu: „Die Tafel ist in Tempera gemalt, hell und ungefirnißt präsentiert sie sich so, als wäre sie eben gemalt (…). Heckel liebte dieses Bild sehr. (…) Ich bin überzeugt davon, daß der Anblick viel dazu beigetragen hat, daß sich Heckel immer mehr in Temperamalerei ausdrückte, in Eitempera sowohl wie in Kaseintempera.“ (Max Kaus, Mit Erich Heckel im Ersten Weltkrieg, in: Brücke-Archiv, H. 4 (1970), S. 514). 

Heckel malt in diesen Kriegsjahren neben zahlreichen Landschaften auch regelmäßig Blumenstillleben wie das vorliegende. Hier gestaltet er die Blumen mit transparent lasierenden Temperafarben besonders zart und klein, sodass sie fast schon altmeisterlich wie bei Bruegel erscheinen. Das gesamte Arrangement mit den transparenten Glasvasen, die sich in der glatten Tischplatte spiegeln, und dem feinen, gelbgrünlichen Vorhangstoff, der wiederum die Farben der Blumen aufnimmt, vermittelt dem Betrachter ein wohliges Gefühl des Ephemeren. Heckel kehrt somit sichtbar zurück zum Urthema des Blumenstilllebens als Symbol der Vergänglichkeit und Verletzlichkeit des Lebens, das er während der Kriegszeit sicherlich intensiver denn je erlebte.

Bei Sotheby's in London wurde 2016 ein Temperagemälde von Erich Heckel (»Kanäle (Bei Ostende)«, 1916) für 443.000€ versteigert. 

 

Das Gemälde »Gelbes Stillleben« wurde schon früh ausgestellt

  • "Sonderausstellung Erich Heckel. Gemälde. Grafik", Kestner-Gesellschaft, Hannover 15.1.-25.2.1919, Kat.-Nr. 57
  • "Erste Ausstellung zeitgenössischer deutscher Kunst", Krefelder Kunstverein im Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld 1920, Kat.-Nr. 10

Ein ähnliches Stillleben (»Blumen«, Öl auf Leinwand) aus dem Jahr 1918 wurde bei Sotheby's in London 1984 versteigert. Auch dieses Gemälde wurde 1919 in der Kestner-Gesellschaft in Hannover ausgestellt (Kat.-Nr. 58).

 

KÜNSTLER

Der expressionistische Maler Erich Heckel wird am 31. Juli 1883 in Döbeln (Sachsen) geboren. Bereits während seiner Schulzeit lernt er den späteren Maler Karl Schmidt-Rottluff (1884 – 1976) kennen und freundet sich mit diesem an. Im Jahre 1904 beginnt Erich Heckel ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Dresden. Gemeinsam mit Ernst Ludwig Kirchner (1880 – 1938), Fritz Bleyl (1880 – 1966) und Karl Schmidt-Rottluff (1884 – 1976) gründet Heckel im Jahre 1905 die Künstlergemeinschaft "Die Brücke". Heckel übernimmt die Geschäftsführung. Im selben Jahr bricht der Künstler sein Architekturstudium ab und arbeitet von nun an als Bauaufseher im Architekturbüro von Wilhelm Kreis. 1907 gibt er diese Arbeit auf, um sich von nun an nur noch der Grafik und Malerei zu widmen.
In diesem und im folgenden Jahr verbringt Erich Heckel die Sommermonate gemeinsam mit Schmidt-Rottluff in Dangast (Nordsee) und 1909 und 1910 mit Kirchner und Max Pechstein (1881 – 1955) an den Moritzburger Teichen bei Dresden. 1911 folgt der Umzug aller "Brücke"-Mitglieder nach Berlin. Hier übernimmt Heckel das Atelier von Otto Müller (1898 – 1979). Im Jahre 1912 lernt er die Künstler Lyonel Feininger (1871 – 1956), Franz Marc (1880 – 1916) und August Macke (1887 – 1914) kennen. Außerdem nimmt er gemeinsam mit der "Brücke" an der Kölner Sonderbundaussstellung teil. Es folgt die Bekanntschaft mit Wilhelm Lehmbruck (1881 – 1919), Christian Rohlfs (1849 – 1938) und anderen Künstlern.

Nach der Auflösung der "Brücke" findet 1913 Heckels erste Einzelausstellung bei Fritz Gurlitt in Berlin statt. Ebenfalls seit diesem Jahr verbringt der Künstler die Sommer- und Herbstmonate an der Flensburger Förde und beteiligt sich 1914 an der Kölner Werkbundausstellung. Den Ersten Weltkrieg erlebt er als Sanitäter für das Rote Kreuz in Flandern. Während dessen lernt er Max Beckmann (1884 – 1950) kennen und es entstehen Holzschnitte und Lithografien wie "Verwundeter Matrose" (1915) und das Werk "Madonna von Ostende" (1915). Zurück in Berlin beteiligt sich Erich Heckel an Ausstellungen der "Novembergruppe" und wird Gründungsmitglied im "Arbeitsrat für Kunst". Außerdem unternimmt er Reisen durch Europa. In den Jahren 1922 und 1924 entsteht im Erfurter Angermuseum der Wandbildzyklus "Lebensstufen". Dieses Werk ist die einzige erhaltene Wandmalerei Heckels.

Zur Zeit der Nationalsozialisten erhält der Künstler Ausstellungsverbot und seine Werke werden als "Entartet" tituliert. 729 seiner Gemälde werden aus deutschen Museen beschlagnahmt. Das Berliner Atelier wird 1944 bei einem Bombenanschlag zerstört. Heckel selbst flüchtet zunächst an die Flensburger Förde, wo zahlreiche Aquarelle entstehen. Dann siedelt er nach Hemmerhofen (Bodensee) über und erhält von 1949 bis 1955 eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Karlsruhe. Im Jahre 1955 nimmt der Künstler an der "documenta I" in Kassel teil. Zudem erhält er 1956 das große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 1957 den Kunstpreis der Stadt Berlin, 1961 den Kunstpreis des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und 1967 den "Orden pour la Mérite".
Erich Heckel stirbt am 27. Januar 1970 in Radolfzell (Bodensee).

 

MUSEEN

  • Museum Ludwig, Köln
  • Brücke Museum, Berlin
  • Neue Nationalgalerie, Berlin
  • Kunstmuseum Bayreuth, Bayreuth
  • Museum Folkwang, Essen
  • Pinakothek der Moderne, München
  • Museum der Moderne Salzburg, Österreich
  • Kirchner Museum Davos, Davos, Schweiz
  • Courtauld Institute of Art, London, Englang
  • The Detroit Institute of Arts, Detroit, MI, USA
  • MoMa – Museum of Modern Art, New York City, USA
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