Ernst Bahn (1901-1978)


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TITEL Der Münsteraner Send auf dem Domplatz

TECHNIK  Kaltnadelradierung / Büttenpapier

SIGNATUR  Unten rechts signiert "E. Bahn"

ENTSTEHUNGSJAHR  Um 1922

GRÖSSE  (H x B)  16,7 × 22,6 cm (25,3 x 31,2 cm)

AUFLAGE  10 Exemplare

RAHMEN  Holzrahmen mit säurefreiem Passepartout und UV-Schutzverglasung

ZUSTAND  Guter Gesamteindruck; lt. fleckig

PRÄSENTATION  Das Bild kann in der Galerie in Bad Iburg besichtigt werden

 

KUNSTWERK

"Der Münsteraner Send auf dem Domplatz", um 1922, Kaltnadelradierung auf Büttenpapier, 16,7 × 22,6 cm, signiert unten rechts "E. Bahn", in der Platte monogrammiert "EB", unten links nummeriert "2/10", vom Drucker Otto Felsing ebenfalls signiert.

Eine typische Radierung Ernst Bahns aus den 1920er Jahren voller Bewegung und magischer Stimmung. Die Menschen stehen um die beleuchteten Kirmesstände. Im Hintergrund werden Zelte und Gebäude angedeutet. Die Lichter der Laterne auf der linken Seite und des Standes in der Mitte beleuchten die Szenerie. Die Radierung "Der Münsteraner Send auf dem Domplatz" wurde nur  in einer sehr niedrigen Auflage von 10 Exemplaren gedruckt.

Der Send ist das dreimal jährlich in Münster stattfindende Volksfest, das pro Jahr mehr als eine Million Besucher zählt. Traditionell wurde der Send auf dem Domplatz veranstaltet, wo er die Vorteile der Domfreiheit besaß. Allerdings wurden die Geschäfte auch außerhalb des eigentlichen Marktplatzes abgewickelt, zum Beispiel auf dem angrenzenden Prinzipalmarkt. Erst im Jahre 1855 wurde vertraglich festgesetzt, dass die Händler, Kaufleute und Schausteller wegen des verursachten Lärms nicht mehr auf dem Domplatz geduldet würden. Der Send wurde aufgeteilt und der Viehmarkt zog auf den zu jener Zeit noch als Neuplatz bezeichneten Schlossplatz, die Karussells wurden vor der Aegidiikaserne aufgestellt. Erst im Jahre 1916 wurden beide Teile wiedervereinigt, sie fanden seitdem, bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939, auf dem Neuplatz statt. Nach Kriegsende wurde einmalig im Jahre 1947 als Ersatz ein Lunapark auf dem Servatiiplatz veranstaltet. Bereits im nächsten Jahr fand wieder der Send statt, bis zum Jahr 1951 erneut auf dem Domplatz, da der Neuplatz, seit 1928 Hindenburgplatz, noch mit Trümmern belegt war. Seitdem ist der Austragungsort des Sends wieder die seit 2012 Schlossplatz genannte Fläche.

Der Name Send ist von Synode abgeleitet, mit der seit dem 9. Jahrhundert die zweimal jährlich gehaltene Versammlung der Geistlichen und der führenden Vertreter des Bistums bezeichnet wurde. Vermutlich ab dem 11. Jahrhundert schloss sich an die Synode ein Markt an, der sich von dem gewöhnlichen Wochenmarkt für die Stadtbewohner unterschied, denn die Verkaufsbeschränkungen und Privilegien einheimischer Kaufleute und Handwerker wurden für den Sendmarkt aufgehoben. Zu dieser Zeit fand der Send nur zweimal im Jahr statt, im Frühjahr und im Herbst. Der Sommersend soll erst im 19. Jahrhundert eingeführt werden. Die erste urkundliche Erwähnung des Sends findet sich für das Jahr 1525. Zusätzlich galt zu diesen Zeiten ein besonderer Marktfriede, der eine erhebliche Verschärfung des geltenden Stadtfriedens bedeutete. In Münster wurde bis 1578 jeder Bruch des Marktfriedens, der mit Blutvergießen verbunden war, mit dem Tode bestraft. Seit dem Herbstsend von 1578 wird das sogenannte Sendschwert als Zeichen des tagenden Gerichts am münsterschen Rathaus ausgehängt.

 

KÜNSTLER

Ernst Bahn (* 9. August 1901 in Bonn; † 14. Dezember 1978 in Münster) war ein deutscher Maler, Zeichner und Grafiker.

Ernst Bahn wurde 1901 in Bonn als ältestes von drei Geschwistern geboren. Der Vater starb, als Ernst Bahn zehn Jahre alt war. Die Mutter kehrte mit den Kindern in ihr väterliches Haus nach Koblenz zurück. Ernst Bahn wuchs im Haus seines Großvaters, des Schumachers Ernst Pollesche, auf. Ab 1916 besuchte er die Kunstgewerbeschule in Koblenz. Ein Onkel nahm Ernst Bahn im Jahr 1918 mit nach Köln und ermöglichte ihm so die weitere Ausbildung an der dortigen Werkschule. Dort entwickelte Bahn ein besonders gutes Verhältnis zu seinem Lehrer Wilhelm Schuler (* 1875 in Karlsruhe), der ihn drängte, neben seinem Studium eine Ausbildung im Handwerk zu machen. Ernst Bahn absolvierte für ein Jahr ein Volontariat zur Erlernung der Technik der Wandmalerei. Nach dem Tod von Wilhelm Schuler verließ Bahn im Jahr 1921 die Werkschule.

1922 kam Ernst Bahn nach Münster (Westfalen). Er hatte den Sohn der münsterischen Kunsthändlerin Elisabeth Kraus, Hermann Kraus, in Köln kennengelernt. Elisabeth Kraus veranstaltete im selben Jahr eine Ausstellung des jungen Bahn in Münster. Ernst Bahn wurde sogleich Mitglied der Freien Künstlergemeinschaft Schanze in Münster, fand Freunde und Gleichgesinnte, und auch sein künstlerisches Schaffen war bald in der Stadt und auch darüber hinaus anerkannt. Bahn beteiligte sich regelmäßig an den Ausstellungen der Schanze. 1928 heiratete er Ottilie Schmidt. Reisen führten ihn nach Holland, auf die ostfriesischen Inseln und 1929 nach Paris. 1932 kam sein Sohn zur Welt. In den 1930er Jahren war der Maler mit Aufträgen viel beschäftigt, trat regelmäßig auch mit dem eigenen künstlerischen Werk an die Öffentlichkeit. Ab 1939 entstanden nur noch wenige Werke, Ernst Bahn wurde Soldat, 1944 in Belgien verwundet, und geriet in Kriegsgefangenschaft. Er blieb bis März 1946 im Kriegsgefangenenlager Camp Indiantown in Pennsylvania (USA).

Die Familie Bahn wurde viermal ausgebombt, es gingen viele Bilder verloren. Ottilie Bahn lebte zeitweise in Würzburg. Ihr gelang es, das Grafikarchiv, vor allem aber die Platten für die Radierungen in Sicherheit zu bringen. Bald nach dem Krieg arbeitete Ernst Bahn wieder an Gemälden für Kirchen. Von 1953 bis 1973 war er Kunsterzieher am Clemens-Brentano-Gymnasium in Dülmen. 1967 starb seine Frau Ottilie. Ein Jahr später heiratete Bahn erneut. Mit seinem Interesse für die Formen der Natur wandte er sich in den 1960er und 1970er Jahren alpinen Gletscherlandschaften zu, die er auf Reisen studierte. Ernst Bahn starb am 14. Dezember 1978 in Münster.

Anfangs galt das Interesse von Ernst Bahn der Bildhauerei, bald wandte er sich aber der Malerei und Grafik zu. Viele seiner späteren Skizzen zeigen jedoch, dass er sich oft seinen Motiven über einfache plastische Formen näherte. Die frühen Werke Bahns sind experimentierend und von Einflüssen der Kunst der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, des Expressionismus geprägt. Der Stil des Künstlers schwankte bis zur Mitte der 1920er Jahre noch zwischen expressiver Gestaltung und einer nüchterneren, sachlicheren Malweise. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre bildete er dann in Malerei und Grafik seinen eigenen Stil aus, der der Neuen Sachlichkeit zugeneigt ist. Gemälde und Grafiken von Bahn fanden in den Ausstellungen der Schanze stets viel Beachtung.

Die frühere Ausbildung zur Wandmalerei ließ Bahn zu einem gefragten Freskomaler und Restaurator werden. Er erhielt in den Jahren 1927 bis 1934 große Aufträge für Altarbilder und Wandgemälde für neu erbaute Kirchen und Kapellen in Westfalen. Der Künstler beschäftigte sich mit der Frage einer zeitgemäßen modernen religiösen Malerei für die neue Sakralarchitektur in Westfalen. Die Gemälde weisen eine monumentale Sachlichkeit auf mit Figuren, die auf Typenhaftes und Wesentliches reduziert sind.

1937 erhielt Ernst Bahn den Auftrag zur Ausmalung der Empfangshalle des neu erbauten Standortlazaretts (heute Universitäts-Hautklinik) in Münster. Das Thema der Wandgemälde sind die „Heilkräfte der Natur“, die der Künstler in figürlich angelegten großen Szenen mit heldenhaft idealisierten Männern und Frauen gestaltete. Diese Fresken sind gute Beispiele für die Indienststellung der Kunst für nationalsozialistische propagandistische Zwecke. Die britische Besatzung ließ sie 1945 übermalen. Durch die erhaltenen Entwurfszeichnungen und Fotos der ausgeführten Wandgemälde sind sie jedoch gut dokumentiert. Reste der Malereien wurden 2010 bei Bauarbeiten freigelegt und restauriert.

Neben den großen Aufträgen entstanden in den 1930er Jahren viele Zeichnungen, Radierungen und Lithografien, die wesentliche Elemente der Kunst Ernst Bahns zeigen: die intensive Beobachtung des Formenreichtums der Natur und einen sensiblen, zuweilen humorvollen Blick auf Menschen. Bahns fast altmeisterliche Grafik der Jahre nach 1933 macht deutlich, dass er sich nur bei Auftragsarbeiten den nationalsozialistischen Kunstidealen ganz anpasste, sonst aber – wie viele Künstler in dieser Zeit – Landschaftsdarstellungen schuf, die weder thematisch noch stilistisch anstößig für die nationalsozialistischen Machthaber waren.

Nach dem Krieg übernahm Ernst Bahn neben seiner Lehrtätigkeit viele Aufträge für Restaurierungen vor allem von Wandmalereien. Für freie künstlerische Arbeit blieb ihm wenig Zeit. Sein Spätwerk konzentrierte sich auf alpine Gletscherlandschaften, die er auf Reisen immer wieder studierte und malte. Die jetzt entstandenen Bilder boten einen gleichsam analytischen Blick auf das Form- und Farbspiel der Natur, abstrahierte Formen überwiegen.

Arbeiten u.a. im Osthaus-Museum in Hagen in Westfalen, im Landesmuseum in Münster, im Folkwang-Museum in Essen und im Friesen-Museum in Wyk auf Föhr.

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